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Tübingen wird "Corona-Modellstadt". Das hat das Land Baden-Württemberg bestätigt. Mit einem Modellprojekt sollen so neue Wege im Umgang mit der Corona-Pandemie erprobt werden.

Das Modellprojekt heißt "Öffnen mit Sicherheit" - und der Titel ist Programm: Ab Dienstag (16. März) soll in Tübingen noch mehr geöffnet und noch mehr getestet werden. Die Projektphase soll bis zum 4. April gehen. Das hat das Staatsministerium in einer Pressemitteilung vom Montagabend bekanntgegeben.

Land will mit Tübinger Modellprojekt Erfahrungen sammeln

Das Land wolle mit dem Modellprojekt in Tübingen Erfahrungen für ganz Baden-Württemberg sammeln. Konkret geht es dabei um die Frage, ob durch den intensiven Einsatz von Schnelltests auch zusätzliche Öffnungsschritte umsetzbar sind, ohne dass dadurch einen negativen Effekt auf das Infektionsgeschehen gibt.

Schnelltest vor Modehaus Zinser (Foto: SWR, Harry Röhrle)
Das Modehaus Zinser in Tübingen hat bereits wieder für Kunden mit negativem Corona-Schnelltest geöffnet. Harry Röhrle

Tübingen als Modellstadt: Diese Regeln gelten ab Dienstag

  • Wer in Geschäfte, zum Friseur oder zu anderen "körpernahen Dienstleistern" will, der muss nun einen negativen Schnelltest vorweisen. Das gilt im gesamten Stadtgebiet. Außerhalb dürfen Geschäfte selbst testen.
  • Außengastronomie und Kulturbetriebe sowie Kinos werden zusätzlich geöffnet - jedoch ebenfalls nur für Menschen, die ein tagesaktuelles negatives Schnelltestergebnis vorweisen können und unter Einhaltung der AHA-Regeln.
  • Für die Ausstellung von Testzertifikaten sollen in der Innenstadt Schnellteststationen eingerichtet werden. Angelerntes Personal weist dort die zu testenden Personen an, kostenlose moderne Eigentests anzuwenden, dokumentiert das Ergebnis und gibt ein personalisiertes Zertifikat aus.

Kretschmann: "Wir brauchen innovative Ideen"

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) erhofft sich durch das Projekt weitere innovative Ideen im Umgang mit der Pandemie.

"Wir erhoffen uns von dem Projekt, dass wir damit einen Weg finden, den Menschen etwas mehr Normalität zu ermöglichen. Den Branchen, die besonders vom Lockdown betroffen sind, eröffnen wir damit hoffentlich neue Perspektiven."

Mehr Perspektiven für Bürgerinnen und Bürger, aber ohne Abstriche bei der Sicherheit machen zu müssen: Mit dem Tübinger Modellprojekt wolle das Land einen neuen, innovativen Weg einschlagen und prüfen, ob die Idee vom Öffnen und Testen auch praktisch funktioniert.

Es sei klar, so Kretschmann, dass angesichts einer sich aufbauenden dritten Welle noch einige Zeit große Vorsicht walten müsse. Zugleich würde ein einfaches "weiter so" die große Disziplin der Menschen immer weiter strapazieren - und einzelne Branchen zunehmend in Existenzkrisen bringen.

Palmer und Federle hatten Konzept entwickelt

Die Tübinger Pandemie-Beauftragte Lisa Federle und der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) hatten das Konzept für den Pilotversuch in Abstimmung mit dem Land entwickelt. Nun freuen sie sich über die Genehmigung des Landes, ihn am Dienstag zu starten.

"Wir bedanken uns beim Land für die Chance, gemeinsam mit der engagierten Bürgerschaft auszutesten, wie eine Stadt sicher geöffnet werden kann. Das ist ein weiterer Schritt auf dem Tübinger Weg, die Pandemie durch präventives Testen unter Kontrolle zu bringen."

Der Handel in Tübingen habe die Testpflicht akzeptiert und ermögliche damit, dass Kultur und Gastronomie öffnen können. Das sei gelebte Solidarität, so Palmer weiter.

Warum Tübingen?

Dass gerade die Stadt Tübingen zur Modellstadt wird, hat damit zu tun, dass in der Stadt bereits im Vorfeld viel getestet wurde - und zwar präventiv nicht nur in Altenheimen, sondern auch in der Stadt. Bundesweit ging dieses Konzept als "Tübinger Modell" durch die Schlagzeilen. Das Land begründet die Auswahl von Tübingen damit, dass die Stadt viel Erfahrung mit dem umfangreichen Testen hat. Außerdem könne die Stadt so ein Modellprojekt kurzfristig umsetzen.

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