Innenansicht Landgericht Tübingen (Foto: SWR, Anette Hübsch)

Landgericht Tübingen: 37-Jähriger angeklagt

Prozess um illegales Waffenlager in Wildberg

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Ein Mann aus Wildberg (Kreis Calw) soll sich jede Menge Waffen besorgt haben. Am ersten Prozesstag gab er das zu. Sein Motiv ist unklar. Er gab an, seit ein paar Jahren verunsichert zu sein.

Angeklagt sind insgesamt vier Personen aus den Kreisen Calw und Böblingen. Der Hauptangeklagte, ein 37-jähriger Mann aus Wildberg, hat laut Staatsanwaltschaft ein illegales Waffenlager mit Kriegswaffen, vollautomatischen Gewehren und Munition besessen. Bei einer Durchsuchung in seiner Wohnung und weiteren Lagerstätten vor einem Jahr wurden auch ein selbstgebauter Sprengsatz sowie Chemikalien zur Herstellung weiterer Sprengsätze gefunden. Der Mann ist deshalb wegen eines Verbrechens gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz angeklagt. Den drei Mitangeklagten wirft die Staatsanwaltschaft Strafvereitelung vor. Demnach haben sie Teile des Waffenarsenals nach der Verhaftung des Angeklagten in neue Verstecke gebracht.

Anklageverlesung dauert eine Stunde

Der Staatsanwalt hat beim Prozessbeginn am Donnerstag über eine Stunde gebraucht, um die Anklageschrift vorzulesen, weil jedes Fundstück, jede einzelne Waffe einzeln benannt wurden: Art der Waffe, Marke, Modell, Herkunftsland und Beschusszeichen. Die meisten dieser Waffen - Maschinenpistolen, Langwaffen, aber auch Munition und Schalldämpfer - darf man nicht ohne Genehmigung kaufen. Die Staatsanwaltschaft listete auch Zündschnüre, eine elektronische Waage sowie Broschüren über Waffenbau, Waffenpflege und Anleitungen zu Sprengsätzen auf.

Waffenverstecke verraten

Der gelernte Metallbauer wohnte zuletzt in Wildberg. Im nahen Althengstett besitzt er eine Firma, außerdem Lagerhallen in Ostelsheim und Simmozheim. Dort soll er die Waffen und Munition in Extra-Schränken versteckt haben, aber auch in seiner Wohnung und in Erdbunkern. Darauf sind die Beamten erst im Laufe der Ermittlungen gestoßen, weil der Beschuldigte in seiner Untersuchungshaft seit August 2020 nach und nach die Verstecke selbst genannt hat. Auch vor Gericht war er sehr gesprächsbereit, wirkte auf Beobachter aber auch verworren und wenig glaubhaft.

Kämpfen können "im Verteidigungsfall"

Das betrifft zum Beispiel sein Motiv. Der 37-Jährige sagte, dass er aufgrund der Flüchtlingskrise und der vielen Anschläge seit 2015 verunsichert sei. Damit meinte er beispielsweise den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt 2016. Dass er sich dann so viele Waffen gekauft hat, erklärte er damit, dass er im Notfall  fünf bis sechs Personen finden und ausstatten wollte, die mit ihm "im Verteidigungsfall" bewaffnet kämpfen könnten. Die drei Mitangeklagten, dazu zählt auch seine 24-jährige Verlobte, mit der er ein Kind hat, und noch zwei Männer aus Magstadt und Sindelfingen, haben laut Anklage nach der Verhaftung des Hauptangeklagten viele der Waffen in neue Verstecke gebracht. Sie äußerten sich bisher nicht zu den Vorwürfen.

Für den Prozess sind mehrere Verhandlungstage angesetzt.

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