Riesiger Kronleuchter aus der Titanic-Filmkulisse in den Albthermen Bad Urach (Foto: SWR)

Wegen der hohen Gaspreise blicken die Bäder besorgt in die Zukunft

Erst Lockdown, dann Gaskrise: wie gehen die Thermen von Bad Urach bis Bad Teinach damit um?

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AUTOR/IN
Nadine Ghiba

Viele Thermen blicken mit Sorge auf die Gaskrise und den kommenden Herbst. Ist ein Umstieg auf andere Energiequellen möglich? Bad Urach (Kreis Reutlingen) bekommt Wärme aus dem Boden.

Der Präsident des Heilbäderverbands Baden-Württemberg spricht von einer gedrückten Stimmung unter seinen Mitgliedern. Aufgrund der Gaskrise rechnen die 35 Mineralbäder im Land mit Einschränkungen für Herbst und Winter.

Sorgen von Neckaralb bis Nordschwarzwald

Auch in der Region Neckaralb und Nordschwarzwald blickt man mit Sorge auf den Herbst: die Therme in Bad Teinach (Kreis Calw) hat ihre Wassertemperaturen schon jetzt um ein Grad gesenkt. Die Gäste hätten dafür Verständnis, so Geschäftsführer Wolfgang Scheidtweiler. Dass das nicht ausreicht, ist ihm aber bewusst: er möchte deswegen übergangsweise mit Öl heizen. Auf lange Sicht ist auch ein Umstieg auf Holz geplant. Diese Mühen seien ärgerlich, wenn man bedenke, dass das Heizen mit Gas früher angepriesen wurde, so Scheidtweiler.

Bad Herrenalb und Bad Wildbad mit weniger Besuchern

Den Umstieg kann sich aber auch nicht jeder leisten: die Siebentäler-Therme in Bad Herrenalb (Kreis Calw) zum Beispiel ist auf Gas angewiesen. Sie hofft, dass es nicht zu vollständigen Schließungen ab Herbst kommt. Das wäre finanziell katastrophal, so ein Sprecher. Man müsse bedenken, dass die Thermen durch die Corona-Pandemie bereits geschädigt seien. Neben dem Lockdown sind auch die Besucherzahlen vieler Thermen gesunken. So auch in der Vitaltherme Bad Wilbad (Kreis Calw): rund 20 Prozent der Besucher seien nach dem Lockdown nicht zurückgekehrt. Geschäftsführer Jürgen Schwarz geht davon aus, dass das mit steigenden Kosten und finanziellen Sorgen der Menschen zusammenhängt.

Sonderfall Bad Urach: heißes Wasser aus dem Boden

Doch nicht alle Thermen sind auf Gas angewiesen: das Wasser der Albthermen Bad Urach (Kreis Reutlingen) ist laut Geschäftsführer Uwe Sandner beispielsweise so heiß, dass es nicht zusätzlich erwärmt werden muss. Das 60 Grad heiße Wasser reiche sogar zum Heizen der Räume und der naheliegenden Schule aus. Trotzdem fühlt der Bad Uracher Geschäftsführer mit anderen Thermen mit. Schadenfreude habe noch niemandem etwas genützt, trotzdem sei das heiße Wasser nun natürlich ein Vorteil, so Sandner.

Thermen für ältere Leute besonders wichtig

Auch wenn Thermen nicht systemrelevant seien, so würden sie für ältere und kranke Menschen ein Stück Lebensqualität bedeuten, hebt Jürgen Schwarz von der Vitaltherme Bad Wildbad hervor. Sich im Wasser bewegen zu können und schwerelos zu sein, sei für einige sehr wichtig. Das sei bereits während dem Lockdown deutlich geworden. Er hofft, dass Kompromisse möglich sind und die Vitaltherme mit Teilschließungen durch den Winter kommt. Das hofft auch Wolfgang Scheidtweiler von der Therme Teinach: er hat zwar Verständnis dafür, dass Thermen in puncto Gasversorgung nicht an erster Stelle stehen, sie sollten jedoch auch nicht vergessen werden.

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