STAND

Über 10.000 Menschen mit geistigen oder psychischen Erkrankungen wurden in Grafeneck auf der Schwäbischen Alb in der NS-Zeit umgebracht. Ein interaktives Theaterstück des Reutlinger Theaters "Die Tonne" packt das Thema jetzt an.

Keine leichte Aufgabe hat sich da das Theater "Die Tonne" in Reutlingen gestellt. Die grauen Busse, die von 1939 bis 1940 nach Grafeneck fuhren, sind Symbol für die Massenvernichtung Tausender Menschen. Allein beim Gedanken an die grauen Fahrzeuge läuft dem Intendanten des Theaters "Die Tonne" in Reutlingen, Enrico Urbanek, ein Schauer über den Rücken. Urbanek und sein inklusives Team wollen dieses Thema auf die Bühne bringen: "Hierbleiben ... Spuren nach Grafeneck".

Theater auf den Straßen

Die inklusive Gruppe zieht mit ihrem Theaterstück in 24 Orten in Baden-Württemberg auf die Straßen, von wo die Ermordeten abtransportiert wurden. Passanten können stehenbleiben und kostenlos zuschauen. Die erste Aufführung ist am 17. September im badischen Mosbach. Die Reutlinger Premiere findet am 2. Oktober auf dem Marktplatz statt. Das Theaterprojekt ist eine Theaterkooperation mit der Lebenshilfe und Bruderhaus Diakonie Reutlingen, der Fakultät für Sonderpädagogik der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und der Habila GmbH Rappertshofen Reutlingen.

Terrakottafiguren des Gedenkens

Den 10.654 Menschen, die in Grafeneck ermordet wurden, ein Gesicht zu geben, hat sich der Künstler Jochen Meyder aus Münsingen zur Aufgabe gemacht. Vor sieben Jahren hat er damit begonnen. Jetzt hat er so viele Terrakottafiguren modelliert, wie es Opfer in Grafeneck gab.

STAND
AUTOR/IN