Regionalstadtbahn Reutlingen Gartenstraße (Foto: SWR, Thomas Scholz)

Wie sollen die Gleise durch die Stadt führen?

Streit um Streckenführung der Regionalstadtbahn in Reutlingen

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Wenn es um Klimaschutz und Regionalität geht, wird die Regionalstadtbahn Neckar-Alb von allen begrüßt. Über die Streckenführung wird aber heftig diskutiert. Auch in Reutlingen.

Zwei Möglichkeiten sind bisher in Reutlingen im Gespräch. Zum Beispiel könnten die Schienen durch die Gartenstraße gelegt werden, eine zweispurige, schmale Straße am nordöstlichen Altstadt-Rand. So wünschen es sich Verkehrsclubs und Bürgergruppen. Auch Holger Bergmann, der Nahverkehrsspezialist der Grünen, würde die Gleise durch die Reutlinger Gartenstraße führen.

"Die Gleise wären in der Mitte der Fahrbahn, so dass der Randstein gleichzeitig die Kante ist von der Haltestelle. Der Autoverkehr müsste auf die Anlieger beschränkt werden".

Regionalstadtbahn Reutlingen Gartenstraße (Foto: SWR, Thomas Scholz)
Wäre die Reutlinger Gartenstraße auch für die Stadtbahn geeignet? Thomas Scholz

Die Gartenstraße ist eine Hauptverkehrsachse in Reutlingen und es fahren viele Stadtbuslinien durch. Auch deshalb will Bergmann die Bahn hier: Es gäbe gute Anschlüsse an die Busse. Und weil hinter der Gartenstraße ein Stadtareal beginnt, mit vielen Wohnungen, Firmen, Büros, erwartet er mehr Fahrgäste. Die ganze Reutlinger Oststadt könne man so erschließen.

Stadtplaner für andere Variante

Reutlingens Stadtplaner Stefan Dvorak sieht überwiegend Nachteile, wenn die Bahn durch die enge Gartenstraße führe. Direkt unter den Gleisen liefen Gas-, Wasser- und Stromleitungen für die Anlieger. Jede Baustelle würde die Bahn ausbremsen. Auch die vielen Stadtbusse könnten den Bahnverkehr behindern. Lange Bahnsteige seien aufwendig, weil die Zufahrten zu den Häusern offenbleiben müssten. Dvorak hält es deshalb für praktikabler, die Bahn auf der südlichen Seite der Altstadt, über die Lederstraße, fahren zu lassen. Hauptvorteil wäre:

"Wir können hier die Bahn auf einen seperaten Bahnkörper legen, was den Vorteil hat, das unter diesem Bahnkörper keine Leitungen verlaufen und die Bahn störungsfrei vom restlichen Verkehr verlaufen kann. Auch kann sie so eine hohe Geschwindigkeit fahren."

Außerdem sei die Lederstraße vierspurig und biete teilweise noch breite Seitenstreifen. Hinzu komme, dass viele publikumsträchtige Einrichtungen, etwa Bücherei und Volkshochschule, direkt an dieser Strecke lägen. Auch das Rathaus, der Marktplatz, die Stadthalle und die Stadtmitte wären gut angebunden, so Reutlingens Stadtplaner Dvorak. Ab Herbst soll zusammen mit dem Zweckverband Regionalstadtbahn die Bürgerbeteiligung ausgeweitet werden.

Streckenführung in Pfullingen ungewiss

Auch im benachbarten Pfullingen muss noch über die Streckenführung der Stadtbahn entschieden werden: Schienen mitten durch die Stadt, nah an Geschäften und Schulen? Oder eher außen herum, als schnelle Pendlerbahn? Ebenso wird in der Universitätsstadt Tübingen über die STreckenführung gestritten. Deshalb gibt es am kommenden Sonntag einen Bürgerentscheid über die Innenstadtstrecke der Regionalstadtbahn Neckar-Alb.

Das große Ganze im Blick behalten

Reutlingens Landrat Ulrich Fiedler hofft dabei, dass sich die Diskussionen nicht nur auf die Strecke vor der eigenen Haustür beschränken, sondern das Große und Ganze im Blick bleibt:

"Wir schaffen es mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Das eine ist der Klimaschutz, das andere ist die Region voranzubringen. Großer Vorteil für die Arbeitgeber dieser Region. Wir wissen, dass der Wohnraum in den Städten knapp ist. Wir schaffen es umzusteigefrei vom Land in die Stadt und zurück zu kommen. Also es sind zahlreiche Vorteile, die miteinander vereint werden."

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