Schnellladestation für Batteriezüge in Tübingen-Ammerbuch (Foto: SWR, Peter Binder)

Neuentwicklung soll Dieselzüge oft überflüssig machen

Weltneuheit: Stadtwerke Tübingen präsentieren Schnellladestation für Batterie-Züge

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Die Stadtwerke Tübingen haben am Donnerstagvormittag eine zusammen mit einem Schweizer Unternehmen entwickelte Schnellladestation für Batterie-Züge vorgestellt. Nach Angaben der Entwickler ist die Ladestation eine Weltneuheit.

Über zwei Jahre haben die Stadtwerke und ihr Partner Furer+Frey aus der Schweiz an der Entwicklung der Schnellladestation gearbeitet. Am Donnerstagvormittag hat erstmals ein Batteriezug an der Station namens "voltap" am Bahnhof von Ammerbuch-Pfäffingen (Kreis Tübingen) angedockt und seine Batterien aufgeladen.

Erfolgreicher erster Test unter Realbedingungen

Die Schnellladestation ist eine Art Trafohaus in der Größe einer Fertiggarage. Ein Prototyp stand bislang im Wald bei Tübingen und wurde dort erprobt. Nun erfolgte in Pfäffingen der erste Ladetest unter Realbedingungen mit einem Batteriezug des Schweizer Herstellers Stadler. Er verlief erfolgreich, so die Stadtwerke.

Schnellladestation für Batteriezüge in Tübingen-Ammerbuch (Foto: SWR, Peter Binder)
Peter Binder

Ladestation erhöht Reichweite von Batteriezügen

An der Ladestation befinden sich zwei Masten mit Ladeschienen. Vom Zug wird ein Ladearm ausgefahren, über den die Batterien geladen werden. Nach Angaben der Stadtwerke Tübingen können Batteriezüge so innerhalb von 20 Minuten ihre Akkus aufladen und dann bis zu 120 Kilometer weit fahren. Die Schnellladestation könne überall dort aufgebaut werden, wo Zwischenladungen notwendig sind, um den Einsatz von Batteriezügen zu ermöglichen oder deren Reichweite zu erhöhen. Die Ladestation sei mit Batteriezügen aller Hersteller kompatibel, so die Stadtwerke.

Viele Strecken ohne Oberleitungen

In vielen ländlichen Regionen gibt es noch keine elektrischen Oberleitungen für die Eisenbahn. Deshalb fahren auf rund 40 Prozent des deutschen Schienennetzes Dieselzüge. Da Batteriezüge bislang nur an Oberleitungen geladen werden können, werden auf Strecken ohne Leitung bislang meist Dieselloks eingesetzt. Deren CO2-Bilanz gilt aber als deutlich schlechter als die von Batteriezügen.

Ladestationen könnten dafür sorgen, dass künftig klimafreundlichere Batteriezüge auf solchen nichtelektrifizierten Strecken fahren können. Mit der "voltap"-Station müsse man nicht warten, bis das Oberleitungsnetz in Deutschland unter großen Kosten ausgebaut sei, so Stadtwerke-Geschäftsführer Ortwin Wiebeke. Batteriezüge könnten schon früher und wesentlich billiger eingesetzt werden.

 Stadtwerke wollen neues Geschäftsfeld erschließen

Die Stadtwerke Tübingen liefern seit der Liberalisierung des Bahnstromnetzes im Jahr 2014 Bahnstrom für Elektrozüge und ist nach eigenen Angaben einer der führenden Anbieter von Strom für private Bahnbetreiber. Mit den neuen Schnellladestationen will das Unternehmen in den Batteriezweig einsteigen und investiert daher in die Infrastruktur.

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SWR