Umstritten: Uni-Namensgeber Herzog Karl (Foto: SWR)

Senat hat gegen Antrag der Studierenden entschieden

Uni Tübingen behält ihren Namen

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Die Eberhard-Karls-Universität Tübingen wird nicht umbenannt. Das hat der Senat der Uni am Donnerstag beschlossen. Der Name steht seit geraumer Zeit in der Kritik.

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Anlass war ein Antrag von Studierenden, da der Universitätsgründer Graf Eberhard als Antisemit gilt und Herzog Karl Eugen ein despotischer Herrscher gewesen sein soll. Gegen die Umbenennung stimmten im Senat 16 Mitglieder, 15 waren dafür, zwei enthielten sich. Für eine Umbenennung wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig gewesen.

Der Tübinger Unirektor Bernd Engler verkündet die Entscheidung des Senats, den Namen der Universität nicht zu ändern. (Foto: SWR, Theresa Krampfl)
Rektor Engler (rechts) verkündet die Entscheidung des Senats Theresa Krampfl

Es habe berechtigterweise innerhalb des Senats sehr unterschiedliche Positionen gegeben, sagte Uni-Rektor Bernd Engler nach der Entscheidung. Man werde nun in eine intensive Diskussion eintreten, wie man mit den umstrittenen Namensgebern umgehen solle. Es werde Aufgabe der nächsten ein bis zwei Jahre sein, die historische Entwicklung der Universität in den Blick zu nehmen, so Engler. Dabei werde es auch die Themen Diskriminierung und Rassismus gehen. Außerdem stellte er eine Professur für jüdische Geschichte in Aussicht. Ausdrücklich lobte Engler die Initiative der Studierenden, sie hätten mutig ein heißes Eisen angefasst.

Studierende fordern mehr Aufklärung

Vertreter der Studierenden zeigten sich enttäuscht über die Entscheidung. Sie seien trotzdem froh, dass es zu einer kritischen Auseinandersetzung gekommen sei. Jetzt würden viel mehr Menschen die beiden Namensgeber kennen, man habe zur Aufarbeitung beigetragen, so die Studierenden. Doch es müsse von Seiten der Uni mehr getan werden, zum Beispiel die Internetseite der Universität zur Geschichte überarbeitet werden. Sie fordern zudem Ausstellungen, Seminare und Infotafeln zum Thema.

Gutachten als Grundlage

Die Entscheidung wurde auf Grundlage eines historischen Gutachtens getroffen. Dieses Gutachten hat Sigrid Hirbodian zusammengetragen. Sie leitet die Kommission und ist Direktorin des Tübinger Instituts für Geschichtliche Landeskunde. "Eberhard ist judenfeindlich und unterscheidet sich damit in keiner Weise vom allergrößten Teil seiner Zeit- und Standesgenossen", sagte Hirobian im Vorfeld der Entscheidung um einen neuen Namen für die Tübinger Universität. Insgesamt sechs Historiker haben sich für das Gutachten ausführlich mit den Namensgebern beschäftigt.

Sigrid Hirbodian leitete die Kommission (Foto: SWR)
Sigrid Hirbodian leitete die Kommission zur Namensänderung der Uni Tübingen

Umstrittene Geschichte der Gründer

Die Universität ist nach Graf Eberhard und Herzog Karl Eugen von Württemberg benannt. Gegen sie wendet sich die aktuelle Kritik. Eberhard, der 1477 die Universität gründete, gilt als Antisemit. Herzog Karl Eugen, der 1769 seinen ersten Namen als Rektor der Universität selbst hinzufügte und den heutigen Namen festlegte, soll junge Männer als Soldaten ins Ausland verkauft haben.

Gutachten macht keine klare Aussage

In dem Gutachten heißt es, die Mitglieder der Kommission sähen ihre Aufgabe nicht darin, sich in der Auseinandersetzung zu positionieren. Über die Frage von Beibehaltung oder Änderung des Namens gebe es auch in der Kommission unterschiedliche Auffassungen. Die zusammengestellten Informationen sollten den Forschungsstand dokumentieren und eine historische Interpretation anbieten. Die Universitätsgremien müssten die Frage beantworten, "was man mit der Aufgabe des historischen Namens gewinnt und was man verliert".

Studierende beantragten die Namensänderung (Foto: SWR)
Studierende beantragten die Namensänderung

Studierende stellen Antrag auf Namensänderung

Den Antrag auf Namensänderung einer der ältesten Universitäten in Deutschland hatten Studierende gestellt. Auch sie waren am Donnerstag im Senat vertreten. Nach ihrer Meinung sollte der seit 545 Jahre alte Name schlicht in "Universität Tübingen" umbenannt werden. Der Student Raphael Kupczik ist für die Änderung des Namens. "Ich denke, dass es auch darauf ankommt, im Hier und Jetzt sich gegen Antisemitismus und Antijudaismus einzusetzen", sagt Kupczik.

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