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Schulen und Kitas in den Landkreisen am Neckar, auf der Alb, im Nordschwarzwald und auf der Baar sind wieder zu. Grund sind die Vorgaben der Corona-Bundesnotbremse. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt überall über 165.

Der Kreis Sigmaringen ist von neun Kreisen in der Region der einzige mit einer Inzidenz von unter 200. Das Landesgesundheitsamt gab am Sonntag den Wert von 194 bekannt. Die höchste Inzidenz in der Region hat der Kreis Calw mit 270. In die Schulen dürfen nur noch die Abschlussklassen. Alle anderen erhalten Fernunterricht.

Blick in ein leeres Klassenzimmer einer Schule (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance/dpa/dpa-Zentralbild)
Blick in ein leeres Klassenzimmer einer Schule Picture Alliance/dpa/dpa-Zentralbild

"Schulen keine Infektionsherde"

Lehrer und Eltern kritisieren die Schulschließungen bei einer Inzidenz über 165. Allerdings hätten die Einrichtungen nun auch zu machen müssen, wenn die frühere Landesverordnung mit der Grenze von 200 noch gegolten hätte. Auch der Leiter des Schulamts Albstadt, Gernot Schultheiß, hält nichts davon, sagte er dem SWR. Die Schulen in den Kreisen Zollernalb und Sigmaringen, die im Zuständigkeitsbereich des Schulamts Albstadt liegen, seien keine Corona-Herde, betonte Schultheiß. Infektionen entstünden an anderer Stelle und werden laut dem Schulamtsleiter von außen in die Schulen getragen. Bei der Bundesnotbremse sei die Politik mit dem Dampfhammer vorgegangen.

"Für Präsenzunterricht vorbereitet"

Schultheiß sieht die Schulen in der Region gut für Präsenzunterricht aufgestellt. Schnelltests, Maskenpflicht und hohe Hygienestandards würden für Sicherheit sorgen. Zudem seien die meisten Lehrkräfte bereits geimpft. Der Leiter des Schulamts hält Wechselunterricht für die beste Lösung.

Auch OB Palmer kritisiert Schließungen

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) findet dies besonders bedauerlich, weil die Tübinger Schulen hervorragende Lösungen gefunden haben. Die Schnelltests für die Schülerinnen und Schüler waren seit vergangener Woche verpflichtend und in Tübingen schon seit Monaten im Einsatz. Wie gut das Schnelltesten in der Schule funktioniere, zeige auch die außerordentlich hohe Akzeptanz: Von den mehr als 8.000 Schülerinnen und Schülern in Tübingen hätten sich lediglich 24 nicht testen lassen, so Palmer weiter.

In den Kitas nur Notbetreuung

Auch in den Tübinger Kindertageseinrichtungen wird eine Notbetreuung angeboten. Eltern können ihre Kinder dafür am Montag direkt in der jeweiligen Einrichtung anmelden, heißt es in einer Mitteilung der Stadtverwaltung. An der Notbetreuung in städtischen Einrichtungen für Kinder über drei Jahre dürfen allerdings nur diejenigen Kinder teilnehmen, die mindestens einmal in der Woche einen Corona-Schnelltest in der Einrichtung oder zu Hause machen. Die Schnelltests stellt die Stadt weiterhin über die Kitas und Schulen zur Verfügung. Diese Testpflicht verfügt die Stadtverwaltung über das Hausrecht. Auch die freien Träger haben die Möglichkeit dazu, heißt es weiter.

Auch im Kreis Freudenstadt Corona-Bundesnotbremse

Auch die Schulen im Landkreis Freudenstadt sind ab Montag wieder in den Fernunterricht über. Ausnahmen gelten für die Abschlussklassen und für die Schülerinnen und Schüler in den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren. Der Busverkehr im Landkreis fährt nur noch bis einschließlich Mittwoch nach dem regulären Fahrplan.

Einzelhandel für Kunden geschlossen

Gleichzeitig ist jetzt auch im Kreis Freudenstadt die Grenze von 150 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen überschritten. Dies bedeutet, dass der Einzelhandel für Kunden geschlossen ist und ab Montag nur noch Abhol- oder Lieferdienste anbieten darf. Der Lebensmitteleinzelhandel einschließlich der Direktvermarktung, Getränkemärkte, Reformhäuser, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Optiker, Hörakustiker, Tankstellen, Stellen des Zeitungsverkaufs, Buchhandlungen, Blumenfachgeschäfte, Tierbedarfsmärkte, Futtermittelmärkte, Gartenmärkte und der Großhandel sind unter Hygieneauflagen davon ausgenommen.

Zur Bewertung der Inzidenzlage werden künftig die Zahlen vom Robert Koch Institut verwendet. Diese können unter https://www.rki.de/inzidenzen abgerufen werden. Dies wurde im Bundesinfektionsschutzgesetz festgelegt.

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