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Seit Dienstagvormittag müssen Besucher aus anderen Landkreisen in der Tübinger Innenstadt Corona-Schnelltests machen, um einkaufen zu können. Die meisten akzeptieren das.

Tübingen gehört derzeit zu den wenigen Landkreisen in Baden-Württemberg, die eine 7-Tage-Inzidenz von unter 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner hat. Deshalb dürfen Menschen seit Montag dort wieder überall einkaufen und Museen besuchen. Allerdings nur, wenn sie nicht aus einem anderen Landkreis mit Infektionsraten über 50 kommen. Wenn doch, müssen sie sich in der Stadt verpflichtend testen lassen.

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Bereits am Vormittag bilden sich lange Schlangen vor den Teststationen. Die meisten haben kein Problem mit der Vorschrift, sich testen zu lassen.

Schnelltests habe man genügend, sagt Hannah Irmler vom Roten Kreuz, die Stadt habe zusätzliches Material zur Verfügung gestellt. Noch aber weiß sie nicht, was heute auf die beiden Teststationen des Roten Kreuzes zukommt.

Einzelhändler etwas ratlos

Der Lebensmittelhandel ist von der Regelung nicht betroffen. Er hat ja auch anderswo geöffnet. Aber in den Tübinger Buchläden oder Boutiquen dürfen Kunden aus einem Landkreis mit einer Inzidenz über 50 nur mit negativem Schnelltest einkaufen.

Die betroffenen Einzelhändler haben aus dem Radio, dem Fernsehen oder der Zeitung von der neuen Regelung erfahren. Sie sind etwas ratlos. Antje Hecht vom gleichnamigen Einrichtungshaus fragt sich, ob sie das Recht habe, die Kunden nach einem Test zu fragen. Sie hält die Regelung für schwierig. Boutique-Besitzerin Anne Fromlet wird noch deutlicher:

"Ich stelle mich jetzt nicht dahin an die Tür und sage: Zeigen sie mir Ihr Attest und dann dürfen Sie rein. Das mache ich nicht."

Anne Fromlet, Boutique-Besitzerin Tübingen

Für Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) ist die Testpflicht ein notwendiger Schritt der Stadt. Er begründet ihn mit den aktuellen Werten der Region. Laut Landesgesundheitsamt weist der Landkreis Tübingen mit 27,1 (Stand: Montag, 16:00 Uhr) die landesweit niedrigste Inzidenz auf. "Diesen Erfolg wollen wir nicht leichtfertig aufgeben", so Palmer auf seiner Facebook-Seite.

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