Holzschindeln waren im frühen Mittelalter weit verbreitet als Dachbedeckung (Foto: SWR)

Ausflug ins Mittelalter

Schindeln hauen auf der mittelalterlichen Klosterbaustelle Campus Galli

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Damit es in den Handwerkerhütten von Campus Galli bei Meßkirch trocken bleibt: Täglich hauen zwei junge Frauen über hundert Holzschindeln für die Dächer.

Sie sieht aus wie eine zierliche Waldelfe. Die langen Haare reichen fast bis zur Hüfte und das helle Leinenkleid schlottert etwas um die Knöchel. Aber wenn Finja den schweren Hammer aus Rinderhaut schwingt und aufs Holz sausen lässt, dann machen alle Besucher, nicht nur die Männer, große Augen. Die 20-Jährige ist bereits das vierten Mal als Freiwillige auf der mittelalterlichen Klosterbaustelle bei Meßkirch (Kreis Sigmaringen). Im normalen Leben macht sie eine Schreinerausbildung. Auch auf dem Campus Galli zieht es sie jedes Mal zum Schindelmacher.

Jahresringe im Holz als natürliche Regenrinne

Finja packt sich einen Rugel aus Fichtenholz und stellt ihn auf den Holzblock in der Handwerkerhütte. Fichtenholz eignet sich besonders gut für Holzschindeln. Denn das Holz der Fichte ist nicht nur weich, sondern auch relativ elastisch. Finja setzt das Schindeleisen im rechten Winkel zu den Jahresringen im Holz an. Die Jahresringe sorgen als natürliche Regenrinne dafür, dass die Schindel nicht bricht und auch länger hält. Schindel hauen ist Teamwork. Finja haut die schmalen Bretter aus dem Baumstamm während Katharina, die auch als Freiwillige auf dem Campus arbeitet, sie aufhebt, prüft und anschließend in einer Ecke stapelt.

Die Holzschindeln sollen etwa einen Zentimeter dick sein (Foto: SWR)
Die Holzschindeln sollen etwa einen Zentimeter dick sein.

B-Ware kommt in den Holzofen

Jede Holzschindel soll einen Zentimeter breit sein. Aber nicht jede Schindel ist zum Abdecken der Dächer zu gebrauchen. Manch eine wird beim Spalten zu dünn oder reißt. Die fehlerhaften Holzschindeln landen auf einem Haufen in der Ecke der Hütte und werden im Herbst im kleinen Bollerofen verbrannt. Während die beiden jungen Frauen die guten Schindeln neben der Hütte stapeln, bohrt Schindelmacher Hubert mit dem Schneckenbohrer Löcher in die obere Hälfte des weichen Fichtenholzes. Die sind für die Holznägel gedacht, mit denen die Holzschindeln auf dem Dach fixiert werden.

Schindelmacher Hubert bohrt mit dem Schneckenbohrer Löcher in die Holzschindeln (Foto: SWR)
Schindelmacher Hubert bohrt mit dem Schneckenbohrer Löcher in die Holzschindeln

Muskelkater und Muskelkraft durchs Schindel Hauen

Den ganzen Tag über arbeiten Finja und Franziska in der Schindelhütte. Fast 150 Schindeln schaffen die beiden gemeinsam an einem Tag. Das ist anstrengend. Denn vom Sägen der langen Fichtenstämme bis zum Zurechtschlagen der Bretter ist alles Handarbeit. Darum spüren die beiden die Anstrengung am Abend in jedem Knochen.

"Es ist ein schönes Gefühl, Muskelkater zu haben. Und der geht ja wieder weg je mehr man macht und dann bekommt man Muckis."

Im frühen Mittelalter waren Holzschindeln das bevorzugte und am weitesten verbreitete Material zur Dachdeckung. Es schützte von außen gegen Wind und Wetter. Innen hielt das Holz an der Decke die Wärme in den Hütten. Auch vornehmere Gebäude und Kirchen waren mit Holzschindeln gedeckt. Auf dem Dach der kleinen Holzkirche auf der mittelalterlichen Klosterbaustelle liegen 14.000 Holzschindeln, die alle auf dem Campus Galli selbst hergestellt worden sind.

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