Ein Schiedsrichter zeigt die Gelbe Karte. (Foto: IMAGO, IMAGO / Avanti)

Fehlender Nachwuchs

Fußball: Weiter Schiedsrichter-Mangel auf der Schwäbischen Alb?

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Pia-Maria Pelzer

Seit Jahren gibt es laut Deutschem Fußball-Bund immer weniger Schiedsrichter. Bei der Schiedsrichtergruppe Münsingen gab es endlich wieder einen Lehrgang für Jungschiedsrichter.

Die Schiedsrichtergruppe (SRG) in Münsingen (Kreis Reutlingen) gehört mit den Gruppen Tübingen und Reutlingen zum Württembergischen Fußball-Verband (WFV) im Bezirk Alb. Während die beiden großen SRG je rund 160 Unparteiische haben, sollte es bei den Münsingern die Hälfte sein. Es gibt derzeit aber nur 60 bis 70 aktive Fußball-Schiedsrichter.

Der älteste ihrer Schiedsrichter ist 83 Jahre alt. Der Altersdurchschnitt liegt weit über 50 Jahre, berichtet Obmann Markus Werthmann. Bei den meisten Jugendspielen könne niemand eingesetzt werden, der pfeifen könnte, so Werthmann.

"Das Problem ist da. Angespannt ist untertrieben!"

Fußballvereine müssen für fehlende Schiedsrichter Strafe zahlen

Obmann Werthmann und seine Kollegen haben sämtliche Vereine abgeklappert, um dort für Schiedsrichter-Nachwuchs zu werben. Die Vereine könnten viel Geld sparen, wenn sie selbst für genügend Unparteiische sorgen würden, sagt Werthmann. Pro Mannschaft muss der Verein einen Schiedsrichter aufbieten, so ist die Regel. Hat ein Verein zum Beispiel fünf Mannschaften, aber nur einen Schiedsrichter, dann sind für die vier fehlenden Strafen fällig, erklärt der Obmann. Die rund 120 Vereine im Bezirk Alb müssten so jährlich Strafen in Höhe von insgesamt 26.000 bis 28.000 Euro an den WFV zahlen.

Erster Schiedsrichter-Kurs nach langer Zeit

Nach fünf Jahren ohne Kurs hatte die SRG Münsingen jetzt erstmals wieder genügend Interessenten, um einen Kurs zur Ausbildung von Jungschiedsrichtern anzubieten. Neun Jungen und ein Mädchen haben den Lehrgang erfolgreich absolviert. Sie können jetzt behutsam als Schiedsrichter eingesetzt werden.

Nachwuchs und Obmann der Fußball-Schiedsrichtergruppe Münsingen (Foto: SWR, SWR)
Zu den neuen Schiedsrichtern im Gebiet der SRG Münsingen gehören jetzt auch die 14-jährigen Tim Kruse aus Dettingen/Erms und als einziges Mädchen Amelie Feucht aus Gomadingen. Markus Werthmann freut sich als Obmann über den Nachwuchs und hofft auf noch mehr begeisterte Jungschiedsrichter. SWR

Erste Erfahrungen als Schiedsrichter auf dem Platz

Erste Pflichtspiele stehen für die Jungschiedsrichter erst im Herbst an. Bei Freundschaftsspielen können sie bis dahin das Pfeifen üben. Erste Erfahrungen als Unparteiische haben Tim Kruse und Amelie Feucht aber schon in der E-Jugend sammeln können. Denn da durften sie schon vor ihrer erfolgreichen Prüfung eingesetzt werden.

Den Kickern zu sagen, wo es langgeht, hat schon was, sagen die beiden. Amelie hat aber auch bereits Schattenseiten erleben müssen: Eine Mutter war mit einer Entscheidung der jungen Schiedsrichterin nicht einverstanden und brüllte von der Seitenlinie. Letztlich habe ihr das aber nichts ausgemacht, sagt die 14-Jährige. Sie habe das einfach ignoriert. Wirkliche Beleidigungen oder Pöbeleien gab es noch nicht.

Mädchen interessiert an Schiedsrichter-Job

Bei der Suche nach Nachwuchs fiel der Schiedsrichtergruppe auf, dass es auch Mädchen gab, die am Schiedsrichter-Job interessiert sind. Sie scheuten sich aber, in einen gemeinsamen Kurs mit den Jungs zu gehen. Sie fürchteten laut Werthmann, zum Beispiel körperlich nicht mithalten zu können. Um die notwendige Zahl für einen rein weiblichen Kurs zu gewinnen, haben sich deshalb von Ehingen über Ulm bis Illertal fünf Schiedsrichtergruppen im Land zusammengetan. Im Herbst hoffen sie, den Lehrgang starten zu können.

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