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Die Zukunft des Rottenburger Maschinenbauers MAG IAS ist gesichert. Bis auf wenige Ausnahmen bleibt ein Großteil der 130 Arbeitsplätze erhalten. Ein Tarifvertrag ist unterschrieben, der Signalwirkung für andere haben könnte.

10 Tage lang hat die IG Metall gemeinsam mit dem Betriebsrat und der Geschäftsführung verhandelt. Für die IG-Metall-Chefin im Bezirk Reutlingen-Tübingen Tanja Nitschke ist die Einigung beim Rottenburger Maschinenbauer MAG IAS einer ihrer größten Erfolge. Bis auf eine Handvoll Mitarbeiter, für die noch Aufhebungsverträge ausgehandelt werden, behalten alle ihren Job. Der unterschriebene Tarifvertrag enthalte herausragende Punkte:

"Uns ist es gelungen, dass das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats über das Betriebsverfassungsgesetz hinausgeht. Weil gemeinsam von Arbeitgeber und Betriebsrat entschieden wird, welche Aufträge den Standort nach vorne bringen."

Die Gewerkschafterin Tanja Nitschke zum ausgehandelten Tarifvertrag

In Rottenburg soll es weiterhin pro Jahr fünf Auszubildende geben. Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen. Es sei ein Geben und Nehmen, so Nitschke. Im Gegenzug würden die Beschäftigen bei schlechter Auftragslage Abstriche beim Urlaubs- oder Weihnachtsgeld hinnehmen. Dieses werde nicht mehr bedingungslos ausgezahlt.

Neustart mit Signalwirkung

Der neue Betriebsleiter Eberhard Schmid spricht von einem kompletten Neustart für MAG IAS. Schmid ist gut vernetzt und hat über Kontakte zu anderen Betriebsleitern bereits neue Aufträge an Land gezogen. Er will flexibel sein und nicht mehr wie bisher ausschließlich Maschinen für die Automobilindustrie bauen. Man wolle auch anderen Kunden Bauteile wie Spindeln anbieten. Neben Vermarktung setzt Schmid vor allem auf die Qualifikation der Mitarbeiter. Um Kosten zu sparen, werden diese auch an andere Firmen in der Region ausgeliehen, so Geschäftsführer Marc Otto. Davon würden auch die Mitarbeiter profitieren, sagt Otto:

"Wenn ich hier 40 Jahre gearbeitet habe, dann hab ich Scheuklappen auf. Ich kann alles besser beurteilen, wenn ich mal woanders war. Das ist das Beste was der Firma passieren kann."

MAG-IAS-Geschäftsführer Marc Otto

Die Zentrale in Eislingen (Kreis Göppingen) will ins Rottenburger Werk investieren und es zukunftsfähig machen. In genau einem Jahr wollen Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Gewerkschaft erneut zusammenkommen. Man will sehen, wie der Betrieb bis dahin finanziell aufgestellt ist und sich entwickelt. IG-Metall-Chefin Tanja Nitschke ist sich sicher: Das Konzept, das für den Rottenburger Maschinenhersteller MAG IAS entwickelt wurde, hat Signalwirkung für andere Betriebe.

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