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"Das kann man sich nicht vorstellen". Immer wieder sagt der Rottenburger Bürgermeister Weigel diesen Satz. Mit dem Städtebündnis "Sicherer Hafen" war er auf der griechischen Insel.

Einst war die griechische Insel Lesbos ein Urlaubsziel, inzwischen ist sie ein Ort des Elends. Denn in den Flüchtlingslagern, die für 3.000 Menschen angelegt sind, leben inzwischen mehr als 20.000. Rottenburgs erster Bürgermeister Thomas Weigel war bis zum Wochenende einige Tage auf Lesbos, gemeinsam mit Vertretern des Städtebündnisses "Sicherer Hafen", der evangelischen Kirche sowie Flüchtlingshelfern. Die Delegation wollte sich ein Bild machen von der Situation der Geflüchteten und der Stimmung unter den griechischen Einwohnern, die zum Teil gewaltsam protestieren.

Leben im Erdloch

Im Gespräch mit dem SWR sagte Weigel, es seien unhaltbare Zustände zum Beispiel in dem Flüchtlingscamp Moria.Man könne sich nicht vorstellen, unter welchen Bedingungen die Menschen dort leben müssten. Das sei weit weg von dem, was man in Europa an Werten eigentlich hoch halte. Manche müssten in Erdlöchern leben,erzählt Weigel, Kinder seien total verdreckt und Kranke würden nicht versorgt. Etwa zehn Prozent der Flüchtenden seien Minderjährige, die keinen Erwachsenen an ihrer Seite haben. Sie leben besonders gefährlich, weil sie vor Kriminalität und sexuellen Übergriffen nicht geschützt seien.

Mehr Flüchtende als Einwohner

Die Delegation um Weigel, zu der auch die Rottenburger Integrationsbeauftragte Ourania Kougioumtzidou gehört, wollten mit ihrer Reise nach Lesbos zeigen, dass es viele Kommunen gebe, die bereit wären, weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Bisher scheiterten die Bemühungen der Städte aber meist an den komplizierten Verfahren, weil der Bund die Zuweisung von Flüchtlingen regelt. Dem SWR sagte Weigel, man sei an einem Punkt angelangt, in der es nicht mehr darum gehen könne, über Verfahrensweisen zu reden. Man wolle auf jeden Fall ein Zeichen setzen - auch in Richtung der griechischen Bevölkerung. Auf Lesbos leben derzeit mehr Flüchtende als Einwohner.

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