Das Landratsamt Böblingen hat nach dem Bekanntwerden mutmaßlicher Missstände den Betrieb des Schlachthofs vorrübergehend untersagt. Auf dem Bild ist Schlachthofgebäude von außen zu sehen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Christoph Schmidt/dpa)

Kein Neubau eines eigenen Schlachthofs

Gemeinderat Rottenburg beschließt Beteiligung am Schlachthof Gärtringen

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Der Gemeinderat Rottenburg hat Grünes Licht für eine Beteiligung am Schlachthof Gärtringen (Kreis Böblingen) gegeben. Für dessen Sanierung soll die Stadt 300.000 Euro zahlen.

Eine große Mehrheit des Gemeinderats Rottenburg (Kreis Tübingen) stimmte am Dienstagabend für die Beteiligung von 300.000 Euro an der Sanierung des Schlachthofs in Gärtringen. Metzgern und Landwirten aus der Region soll dadurch eine Möglichkeit zum Schlachten gesichert werden. Der städtische Schlachthof in Rottenburg ist so veraltet, dass eine teure Sanierung oder ein Neubau nötig wäre.

Trotz Kritik verzichtet Rottenburg auf Neubau

An den Plänen, den eigenen Schlachthof aufzugeben, und die Tiere zum Schlachten künftig in den Landkreis Böblingen fahren zu müssen, gibt es seit langem massive Kritik. Die Bürgerinitiative für den Erhalt des Schlachthofs hat bei Demonstrationen bis zu 600 Befürworter auf die Straße gebracht.

Auch viele Umwelt- und Naturschutzverbände plädieren für eine lokale Lösung. In einem Flugblatt, in dem unter anderem der NABU, der BUND und der Schwäbische Heimatbund als Unterstützer genannt werden, ist von einem Schaden für das regionale Ökosystem die Rede.

Negative Folgen für Tierhalter in Ammerbuch und Tübingen befürchtet

"Ohne den Rottenburger Schlachthof als zentrale Säule der Produktionskette müssten viele Bauern und Selbstvermarkter die Schafhaltung, die Schweine- und die Rinderhaltung einstellen, mit direkten Folgen für die ökologische Vielfalt", steht in dem Flugblatt. Der Mehraufwand ohne Schlachthof vor Ort mache die Tierhaltung vollends unrentabel, heißt es weiter. Die Initiative für den Erhalt des Schlachthofs hat auch eine Online-Petition gestartet.

Befürworter begründen die Kooperation mit Gärtringen

In der Gemeinderatssitzung hat die Stadtverwaltung den Verzicht auf einen eigenen Schlachthof verteidigt. Eine Sanierung am jetzigen Standort würde nach Angaben eines Planungsbüros rund 5,7 Millionen Euro kosten. Für einen Neubau habe man keinen geeigneten Ort gefunden, erläutert der Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung.

Die Kriterien, die der Gemeinderat aufgestellt habe, seien in Gärtringen gegeben. Mit einer maximalen Schlachtkapazität von 2.000 Schweinen, 80 Rindern und einem Lämmer-Schlachttag würden sich die Rottenburger Schlachtmengen sehr gut integrieren lassen, so die Stadtverwaltung.

Schlachthof Gärtringen muss erst noch saniert werden

Wann in Gärtringen tatsächlich geschlachtet werden kann, ist noch offen. Der dortige Schlachthof musste nach dem Fleischskandal 2020 schließen und soll tierwohlgerecht saniert werden.

"Der Beschluss in Rottenburg ist ein guter Rückenwind dafür."

Der Schlachthof Gärtringen soll eigentlich im Herbst kommenden Jahres wieder in Betrieb gehen. Auch die Landkreise Tübingen und Böblingen müssten Teile der Sanierungskosten übernehmen, damit die Kooperation zustande kommt. Im Tübinger Kreistag soll noch diesen Monat darüber abgestimmt werden, sich mit 700.000 Euro zu beteiligen. Mit dem Baubeginn der Sanierungsarbeiten rechnet das Gärtringer Bauamt auf SWR-Anfrage erst im kommenden Jahr. In Rottenburg soll daher so lange weiter geschlachtet werden bis der Schlachthof Gärtringen seinen Betrieb aufgenommen hat.

Kritiker drohen in Rottenburg mit Bürgerentscheid

"Wir werden wahrscheinlich gegen diese Entscheidung einen Bürgerentscheid herbeiführen", sagte Klaus Weber von der Initiative für den Erhalt des Rottenburger Schlachthofs im SWR-Interview nach der Gemeinderatsentscheidung. Der Biolandwirt Gregor Rauser kritisierte auch das gesamte Verfahren in Rottenburg.

Die Stadtverwaltung hatte in den letzten Jahren eine Arbeitsgruppe gegründet, in der Metzger, Landwirte und Naturschützer saßen. Es gab Dialogveranstaltungen und einen BürgerInnenrat. Trotzdem ist Rauser der Ansicht, dass bezüglich des bestehenden Rottenburger Schlachthofs nie eine Bereitschaft da war, "ein Konzept zu überlegen, was können wir aus diesem Areal machen."

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