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Der Regionalverband Nordschwarzwald hatte 16 Jahre lang versucht, die Windkraft im Nordschwarzwald voranzubringen. Dieses Bemühen scheiterte krachend. Der Verband zog sein Windkraftkonzept zurück. Jetzt wagt er sich nochmal daran.

Das Thema Erneuerbare Energien soll nicht länger das Alltagsgeschäft des Regionalverbands behindern. Deshalb haben die Mitglieder am Mittwoch beschlossen, es künftig in einem eigenen Teilregionalplan zu bearbeiten. Wenn es also weitere Verzögerungen gibt, so wie in den vergangenen 16 Jahren, –dann wirft das anderen Projekten wie der Planung von Gewerbegebieten, Grünflächen oder Verkehrsachsen zumindest keine Knüppel mehr zwischen die Beine, sagte der Verbandsvorsitzende und Bürgermeister von Bad Wildbad (Kreis Calw), Klaus Mack (CDU). Künftig soll es um mehr als nur die Windräder gehen.

Strombedarf wird zuerst geprüft

In einem ersten Schritt analysiert der Regionalverband Nordschwarzwald jetzt, wo bislang Strom erzeugt und an welchen Stellen er verbraucht wird. Daraus wolle man ableiten, wo Stromerzeugung für die Region aus erneuerbaren Energiequellen sinnvoll wäre. Dann soll ein Konzept ausgearbeitet werden.

Photovoltaik soll Energiewende unterstützen

Ergänzend zur Windkraft könnte Photovoltaik im Nordschwarzwald eine Rolle spielen, sagte Verbandsdirektor Matthias Proske dem SWR. Dabei werden große Flächen mit Solarmodulen bestückt. Proske rechnet auch da mit Widerstand. Er hofft aber, dass er etwas weniger stark wird. Denn immerhin seien Photovoltaikflächen nicht so auffällig wie Windräder. Außerdem will der Verband prüfen, ob es geeignete Standorte für Wasser- oder Biomasse-Kraftwerke gibt.

Photovoltaik-Anlage auf Wiese (Foto: SWR)
Ergänzend zur Windkraft könnte künftig Photovoltaik eine Rolle spielen

Man startet also nach all den Jahren, die man mehr oder weniger mit der Planung von Windkraftprojekten verbracht hat, wieder bei null, so der Verbandsdirektor. Gründe für den Rückschlag gibt es viele: Fledermäuse und Raubvögel standen verschiedenen Windkraftprojekten im Weg, wie in Bad Wildbad was Bürgermeister Mack noch heute ärgert.

"Dann muss man sich schon mal die Grundsatzfrage stellen: Was will man denn? Will man jeden einzelnen Vogel retten oder will man die Energiewende umsetzen? Aber das ist am Ende eine politische Frage, die nicht auf regionaler Ebene entschieden werden kann."

Klaus Mack, Bürgermeister von Bad Wildbad

Außerdem gab es über Jahre Abstimmungsschwierigkeiten zwischen dem Regionalverband und den beteiligten Kommunen. Manche fürchteten, dass die Windräder Touristen vergraulen könnten, etwa in Schömberg.

"Viele Menschen finden die Windenergie gut, aber wenn es dann konkret wird und Flächen vor der eigenen Haustüre vorgesehen sind, dann hört die Zustimmung bei einigen Menschen relativ schnell wieder auf."

Regionalverbandsdirektor Matthias Proske

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