Norbert Greinacher (Foto: dpa Bildfunk, Erwin Elsner)

Er setzte sich für eine moderne katholische Kirche ein

Tübinger Professor Norbert Greinacher verstorben

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AUTOR/IN
Nadine Ghiba

Norbert Greinacher war 28 Jahre lang Professor für Praktische Theologie an der Universität Tübingen. Am Samstag ist er im Alter von 90 Jahren in der Studentenstadt verstorben.

Norbert Greinacher setzte sich unter anderem schon früh für die Gleichberechtigung der Frau in der katholischen Kirche ein und unterzeichnete dafür 1989 die sogenannte Kölner Erklärung, die deutliche Reformen forderte. Dass der damalige Papst Johannes Paul II das Frauenpriestertum ablehnte, konnte er nicht verstehen – und riet dem Papst sogar dazu abzudanken. Bei der Kirche eckte er öfters an, seine Lehrerlaubnis wurde ihm aber nie entzogen.

Gegen die katholische Sexualmoral

Das Verbot der Verhütung hielt Greinacher für unbegründet. Außerdem forderte er die Abschaffung des Zölibats und die Akzeptanz homosexueller Menschen, selbst wenn eine Bibelstelle etwas anderes sagen würde:

Auch eine solche Stelle kann nicht leugnen, dass wir in unserer Gesellschaft Menschen haben, die von Natur aus eine solche Neigung haben. Und diese Menschen kann man nicht einfach von der Sexualität ausschließen

Politisches Engagement und Befreiungstheologie

Greinacher war auch politisch engagiert. Er war SPD-Mitglied und bekam sogar einen Haftbefehl, weil er gegen die Stationierung von Mittelstreckenwaffen demonstriert hatte. Ein Pfarrer durfte sich seiner Meinung nach durchaus in gesellschaftliche Debatten und Politik einmischen, wenn er seine Gemeinde hinter sich hatte. Vorbild für den gebürtigen Freiburger war die Befreiungstheologie Lateinamerikas, die sich gegen Ausbeutung und Unterdrückung einsetzt. Zu dem Thema schrieb er das Buch "Die Kirche der Armen", das die Befreiungstheologie auch in Europa bekannt machte. Insgesamt veröffentlichte Greinacher hunderte Bücher und Aufsätze und wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

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