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Seit der Corona-Krise entwickeln viele Menschen Ideen, wie sie anderen helfen können. Auch in Baiersbronn, Reutlingen und Tübingen werden einige kreativ: Sie bieten Hilfe über das Internet oder Telefon.

Geschäfte, Schulen, Kirchen sind geschlossen, soziale Kontakte sollen so knapp wie möglich gehalten werden und die Infektionsrate steigt. Doch es gibt nicht nur schlechte Nachrichten in Zeiten von Corona. In vielen Orten gibt es Menschen, die für andere da sein wollen. Zu ihnen gehört Michelle Pischulti aus Baiersbronn (Kreis Freudenstadt). Die Großmutter hat die Solidarität und Hilfsangebote im Netz gesehen. Sie wollte aber etwas für all jene, die kein Internet haben. So hat sie für die Baiersbronner eine Telefonhotline eingerichtet. 

Eine Frau mit Sonnenbrille hält ein Handy ca 5 cm weg vom Ohr. (Foto: dpa Bildfunk, Friso Gentsch; )
Menschen können über die Hotline Hilfe erhalten (Symbolbild) Friso Gentsch;

Ihr Sohn und eine Freundin haben ihr dabei geholfen. Innerhalb von 28 Stunden stand die Leitung. Seit Dienstag ist die Hotline erreichtbar - über die Telefonnummer 07442-1234545. Seither haben sich schon einige Baiersbronner gemeldet. Pischulti hat an die 30 Helfer und koordiniert die Hilfe. Das kann ein Einkauf sein, oder Internetrecherchen für Hilfesuchende.

Leichter Hilfe finden

Nicht nur lokal denken Timo Widmaier und die Gruppe "Rosa" aus Reutlingen. Widmaier ist Informatiker und hat in den vergangenen Tagen die Webseite nachbarschaft.care aufgebaut. Hier kann man nach Postleitzahl geordnet in einer Karte viele Hilfsangebote aus der Region finden.

Keine sensiblen Daten notwendig

Die hilfesuchende Person müsse sich nicht anmelden und bis auf den Kontakt keine personenbezogenen Daten angeben, so Widmaier. "Das war uns wichtig". Denn es könne für Betroffenen stigmatisierend sein, in Chat-Gruppen öffentliche Beiträge über die Corona-Infizierung zu machen.

Nachbarschaftschaftshilfe Baden-Württemberg (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Roland Weihrauch/dpa)
Menschen helfen Menschen (Symbolbild) picture alliance/Roland Weihrauch/dpa

Hilfe gibt es auch über Facebook-Gruppen. In Tübingen wird eine von Johanna Rahn geleitet. Das erste Ziel sei es, Menschen aus Risikogruppen mit Freiwilligen zu vernetzten, die dann konkret helfen, zum Beispiel Einkäufe übernehmen oder Rezepte in der Apotheke abholen. So müssten diese Menschen nicht mehr das Haus verlassen, sagte Rahn dem SWR.

In Tübingen und Reutlingen spricht man von Nachbarschafts-Challenges. Dabei geht es um Kinderbetreuung, Gassigehen mit Hunden und andere Erledigungen. Wer mitmachen möchte, muss sich registrieren und die Art der Hilfe, die man anbieten kann, angeben.

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