Angeklagter im Gericht Rottweil (Foto: SWR)

Urteil nächste Woche erwartet

Plädoyers der Verteidiger im Mordprozess an Unternehmer aus Horb

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Am Landgericht Rottweil ist der Revisionsprozess um den Mord an einem Unternehmer aus Horb am Mittwoch fortgesetzt worden. Die Verteidiger hielten ihre Plädoyers.

Beim Revisionsprozess am Landgericht Rottweil haben die Verteidiger der beiden Angeklagten in ihren Plädoyers eine Freiheitsstrafe von maximal zwei Jahren gefordert - für räuberische Erpressung. Außerdem fordern sie eine Entschädigung für die Zeit in Untersuchungshaft.

Verteidiger: Beweise reichen nicht aus

Es gebe keine Beweise dafür, wer von den beiden Angeklagten den Mord an dem 57-jährigen Immobilienunternehmer im November 2018 begangen haben soll. Im Fall des einen Angeklagten könne nicht einmal nachgewiesen werden, dass er sich an diesem Abend in der Wohnung aufgehalten hat. Das gehe nur aus der Aussage des anderen Angeklagten hervor, so Rechtsanwalt Alexander Hamburg. Zudem habe die Polizei bei seinem Mandanten Fehler gemacht. Er sei unter anderem nicht richtig belehrt worden. Außerdem habe man ihn zwar als Zeugen befragt, jedoch Ermittlungsmethoden angewendet, die nur im Falle eines Beschuldigten zulässig seien, so Hamburg.

Verteidiger des anderen Angeklagten widersprechen

Dagegen argumentieren die Verteidiger des anderen Angeklagten, dass seine Schilderung der Abläufe an diesem Abend sich mit einigen der von der Polizei gesammelten Indizien decken würden. Der von ihnen vertretene Angeklagte habe nichts von einer solchen Tat geahnt und sei daher völlig handlungsunfähig gewesen. Deswegen sei er dem 57-jährigen Opfer nicht zur Hilfe gekommen.

SWR-Reporterin Samantha Happ über den Prozesstag:

Staatsanwaltschaft klagt Hauptangeklagten wegen Mord an

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der 31-jährige Angeklagte den Horber Immobilienunternehmer in dessen Wohnung erwürgt hat. Beim zweiten Angeklagten rückte die Staatsanwaltschaft vom Vorwurf des Mordes ab und forderte wegen schwerer räuberischer Erpressung und schweren Menschenraubes eine Haftstrafe von sieben Jahren und neun Monaten. Das Urteil soll am 11. Oktober am Landgericht Rottweil fallen.

Unternehmer wurde Zuhause getötet

Der Fall trug sich bereits im November 2018 zu: In Horb (Kreis Freudenstadt) wurde ein wohlhabender, alleinstehender Geschäftsmann in seinem Haus überwältigt, bedroht, um mindestens 3.000 Euro gebracht und letztendlich getötet. Doch wer genau für den Tod des 57-Jährigen verantwortlich war, konnte das Gericht zum damaligen Zeitpunkt nicht klären.

Das Landgericht Rottweil hatte 2020 zunächst keinem der beiden Angeklagten die Tötung des Unternehmers nachweisen können und entschied deshalb "in dubio pro reo" - im Zweifel für die Angeklagten. Das Gericht hielt zwei Tatvarianten gleichermaßen für möglich - beide Angeklagten hätten für die Tötung verantwortlich sein können. Deswegen wurden die Angeklagten lediglich wegen räuberischer Erpressung zu sechs und viereinhalb Jahren verurteilt.

Fall wird seit 2021 am Landgericht Rottweil neu verhandelt

Gegen das Urteil des Landgerichts Rottweil legte unter anderem die Staatsanwaltschaft Revision ein. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil daraufhin auf und verwies den Fall zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht Rottweil zurück. Und zwar sah der Bundesgerichtshof in den beiden vom Landgericht Rottweil angenommenen Sachverhaltsvarianten, nach denen sowohl der eine als auch der andere Angeklagte als Täter infrage kam, eine widersprüchliche und lückenhafte Beweiswürdigung.

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