Wurmlinger Pfingstritt

Kritik an Mohrenkönigfigur, nicht aber an Frauenreitverbot

Traumhaftes Wetter bei traditionellem Pfingstritt in Wurmlingen

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Luisa Sophie Klink

Der Pfingstritt in Wurmlingen hat am Pfingstmontag symbolisch den Sommer eingeläutet. Während man der Tradition größtenteils treu blieb, wurde der Name des Königs geändert. 

Alle zwei Jahre findet im Rottenburger Stadtteil Wurmlingen (Kreis Tübingen) als Höhepunkt des dreitägigen Pfingstfestes der Pfingstritt statt, eine der ältesten überlieferten Pfingsttraditionen in Südwestdeutschland. Dieses Jahr richtete ihn der Pfingsreiterjahrgang 2003/2004 aus.

Seit 1852 blieb der Pfingstritt nahezu unverändert: Die Blaskapelle führt den Umzug an, der auf das Feld vor den Zuschauern geführt wird. Ihnen folgen die Pfingstdamen und die kostümierten Reiter, die jeweils eine Figur aus dem Spiel verkörpern: Platzmeister, Wundarzt, Henker, Fähnrich, Maienträger, Koch und Kellermeister.

Figur des Mohrenkönigs löst Debatte aus - Reitverbot für Frauen bleibt

Nur die Figur des Mohrenkönigs löste eine Debatte beim diesjährigen Veranstaltungsjahrgang aus. Bislang malte sich derjenige, der den Mohrenkönig verkörperte, das Gesicht schwarz an. Dies empfand der aktuelle Jahrgang als nicht mehr zeitgemäß, sodass der Mohrenkönig kurzerhand zum Maurenkönig wurde, sagte Festleiter Stephan Fauser dem SWR. Auch der Vers, bei dem sich wohl schon in den 60er-Jahren ein Fehler eingeschlichen hatte und Haar- und Gesichtsfarbe vertauscht wurden, wurde umgedichtet. Statt "Ich bin der König der Mohren, wie ihr mich seht bin ich geboren, ich hab’ schwarzes Haar und ein weißes Gesicht, ein jeder glaubt, er kenne mich (...)" heißt es nun: "Im Lande der Mauren bin ich geboren, zum König bin ich auserkoren. Wie ich hier steh, so seht ihr mich, ich hab’ volles Haar und ein frohes Gesicht(...)".

Die Tradition hochgehalten wird dagegen bei den Teilnehmern: nach wie vor dürfen nur Männer mitreiten. Anders als beim letzten Jahrgang sei das Frauenreitverbot diesmal gar nicht thematisiert worden. Der vergangene Jahrgang empfand es als unzeitgemäß, dass Frauen nicht mitreiten dürfen, konnte sich aber nicht durchsetzen.

Wurmlinger Pfingstritt
Bei strahlend schönem Wetter schauten hunderte Besucher beim traditionellen Pfingstritt in Wurmlingen zu.

Pfingstbutz verliert Ritt um Maibaum

Auch der Ablauf bleibt gleich: Auf dem Feld angekommen, trägt jeder Reiter ein kurzes Gedicht vor, welches die Figur näher vorstellt. Anschließend tragen die Pfingstdamen die Pfingstpredigt vor, bei der ironisch auf die vergangenen Ereignisse und Verfehlungen in Wurmlingen Bezug genommen wird.  

Schließlich begeben sich die Reiter auf ihre Startposition und versuchen im gestreckten Galopp von ihren Pferden aus, einen Maibaum aus der Mitte eines Stroh-Kreises zu ziehen. Schafft das nach drei Runden inklusive Proberunde keiner, gewinnt der so genannte Pfingstbutz. Mit dem Spiel soll symbolisch der Beginn des Sommers eingeläutet werden.  

Pfingstritt Wurmlingen
Nico Soziaghi alias "Doktor Eisenbart" gewann den Pfingritt 2023.

Mehrere Stürze, keiner ernsthaft verletzt

Der gestreckte Galopp auf den Pferden stellt die Jahrgänge immer wieder vor große Herausforderungen. Zwei Jahre lang bereiten sie sich auf den Wettkampf vor, doch immer wieder gibt es Stürze. Auch diesmal fielen mehrere Reiter vom Pferd, verletzten sich aber nicht ernsthaft. Dennoch entschied sich der diesjährige Maienträger nach seinem Sturz bei der Proberunde, freiwillig auszuscheiden. In der zweiten Runde gelang es Nico Soziaghi, den Maibaum aus dem Heu-Kreis zu ziehen und den Sieger zu holen.  

"Es ist ein unglaubliches Gefühl, mit dem Pferd hoch zugaloppieren, den Menschen entgegen. Und dann kommt der Baum und dann ziehst du ihn einfach raus." 

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Luisa Sophie Klink