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Kein Kaffee mehr auf dem Marktplatz, sondern wieder nur To-go: Die Stadt Tübingen muss ihr Corona-Modellprojekt wegen steigender Fallzahlen deutlich einschränken.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) und die Pandemiebeauftragte Lisa Federle haben die Einwohner der Stadt dazu aufgerufen, die Corona-Regeln einzuhalten. In einem offenen Brief fordern sie: "Mithelfen, damit Tübingen offen bleibt". Zugleich warben Palmer und Federle um Verständnis, dass das Corona-Modellprojekt "Öffnen mit Sicherheit" vorerst nur unter verschärften Bedingungen weiter gehen kann.

Mehr Tests, um Lockdown zu verhindern

Die Zahl der Kontakte in der Stadt werde zurückgehen, weil Auswärtige kein Tagesticket mehr erhalten könnten und die Außengastronomie nicht mehr zum Verweilen in der Stadt einlade. "Die täglich durchgeführten Tests werden nochmals deutlich mehr, weil neue Testpflichten in Einzelhandel, Betrieben, Schulen und Kitas hinzukommen."

Aus Palmers und Federles Sicht wäre die einzige Alternative wieder Schließungen und Lockdown . "Der Brücken-Lockdown, von dem jetzt die Rede ist, würde auch bedeuten, dass Einzelhandel und Kultur wieder schließen müssen und in Schulen und Kitas nur noch Notbetreuung angeboten wird. Wir wollen versuchen, das durch Testungen zu vermeiden", heißt es in dem offenen Brief weiter.

Ein Schild weist auf die Maskenpflicht in der Tübinger Altstadt hin, wo die Gäste an den Tischen der Außengastronomie sitzen.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Andreas Arnold)
Die Außengastronomie ist nicht mehr Teil des Modellprojektes und muss wieder schließen - viele sind frustriert. Man könne in dieser Corona-Lage nicht allen Bedürfnissen entsprechen, so Oberbürgermeister Palmer. picture alliance/dpa | Andreas Arnold

Betriebe müssen Mitarbeitende testen

Betriebe in Tübingen mit mehr als 50 Mitarbeitenden müssen ab dem 12. April ihre Beschäftigten mindestens ein- bis zweimal pro Woche testen, teilte die Stadt am Dienstag mit. Die Stadtverwaltung bietet den Betrieben die dafür benötigten Schnelltests zum Kauf an.

Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Reutlingen, Christian Erbe, bezweifelt allerdings, dass die Testpflicht durchgesetzt werden kann. Dem SWR sagte Erbe, es sei schwierig, diese Vorschrift zu kontrollieren. Er setze eher auf freiwillige Tests der Unternehmen. Eine logische Konsequenz der neuen Tübinger Testpflicht sei, dass die Stadt die Schnelltests dann auch bezahle.

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Modellprojekt geht weiter

Auf die Fortsetzung des Modellprojekts hatten sich am Dienstag das Gesundheitsministerium, das Landesgesundheitsamt sowie die Stadt Tübingen und das örtliche Gesundheitsamt geeinigt. Der Tübinger Modellversuch wurde zuletzt bis zum 18. April verlängert.

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