2G-Plus-Zeichen an der Tür eines Reutlinger Restaurants. (Foto: SWR)

2G-Plus in Restaurants mit weiteren Ausnahmen

Neue Corona-Regeln eine Herausforderung für die Reutlinger Gastronomie

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Bislang reichte ein 2G-Nachweis, um ins Restaurant zu kommen. Seit Samstag gelten neue Corona-Vorschriften in Baden-Württemberg, die am Sonntag schon wieder geändert wurden. Gastronomen kritisieren die Kurzfristigkeit.

Am regnerischen Samstagabend mussten einige Leute, die in eins der Reutlinger Restaurants wollten, wieder umkehren. Die neuen Regeln wurden am Samstag kurzfristig in die Tat umgesetzt und nicht alle hatten es da schon mitbekommen. Auch Geimpfte und Genesene brauchten nun einen Schnelltest. Ausgenommen waren in der Corona-Verordnung von Baden-Württemberg nur diejenigen, die schon geboostert waren. Am Sonntag dann die nächste Änderung: Personen, deren Zweitimpfung oder Genesung nicht länger als sechs Monate her ist, sind seither ebenfalls von der Testpflicht ausgenommen.

Baden-Württemberg

Welche Regeln gelten in BW? Neue Corona-Regeln seit Samstag: Auch Zweitgeimpfte und Genesene teilweise von Testpflicht bei 2G Plus befreit

Baden-Württemberg hat die Corona-Maßnahmen weiter verschärft. In vielen Bereichen gilt die 2G-Regel oder sogar 2G Plus. Zu den geltenden Ausnahmen sind weitere hinzugekommen.

Gastronomen kritisieren Kurzfristigkeit

Die Änderung, dass für einige Gäste doch keine Testpflicht gilt, dürfte die Reutlinger Gastronomen zumindest ein bisschen erleichtern. Denn am Samstag sah es ziemlich düster aus.

"Wir haben 80 Prozent Einbußen gehabt."

Die Firma betreibt mehrere Reutlinger Restaurants. Besonders schwierig sei, dass die neuen Vorschriften so kurzfristig kamen. Man hatte bereits Lebensmittel für das Wochenende eingekauft, die dann teils überflüssig waren.

Auch der Pfullinger Hotelier Fritz Engelhardt, der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Baden-Württemberg, übte Kritik Richtung Politik. Die Kurzfristigkeit sei respektlos der Branche und ihrem Personal gegenüber, das die letzten Monate viel auf sich genommen habe. Die Politik hätte früher reagieren und die Restaurantbetreiber darauf vorbereiten müssen.

"Keiner hat sich Gedanken gemacht, ob das überhaupt praxistauglich ist. Es liegt nahe, dass man damit wirklich einen Lockdown durch die Hintertür erzwingen wollte."

Schlange vor einem Reutlinger Testzentrum. (Foto: SWR)
Viele Menschen in Reutlingen wollen noch einen Schnelltest ergattern.

Angst vor Personalmangel in der Gastronomie

Nach den letzten Corona-Beschränkungen musste die Gastronomie händeringend nach neuem Personal suchen. Hunderttausend Arbeitskräfte seien bereits in andere Berufe abgewandert, so DEHOGA-Chef Engelhardt: "Wir haben immer damit geworben: Kommt zu uns in die Gastronomie und die Hotellerie. Das ist die Branche, die sicher ist. Gegessen, getrunken, geschlafen wird immer. Man hat uns nun eines Besseren belehrt."

"Jedes Mosaikstück hilft"

Am Samstagabend standen vor den Reutlinger Testzentren lange Schlangen. Aber dass die Menschen sich auch für ein schnelles Mittagessen zum Testen anstellen, bezweifelte der DEHOGA-Vorsitzende, als da noch ausschließlich die Geboosterten von den neuen Test-Vorschriften ausgenommen waren. Diese Ausnahme von der Testpflicht bezeichnete Engelhardt als richtig. Danach wurde bekannt, dass die Landesregierung noch mehr Ausnahmen zulässt. Jedes Mosaikstück helfe der Branche jetzt, sagte Engelhardt. Er geht davon aus, dass aufgrund des Nachbesserns der Landesregierung die Restaurants und Cafés im Land ihren Geschäftsbetrieb aufrechterhalten können, sodass für die Mitarbeitenden nicht wieder Kurzarbeit nötig wird.

Landestheater Tübingen begrüßt auch Ausnahme-Regelung

Thorsten Weckherlin, der Intendant des Landestheaters Tübingen, begrüßt die Ausnahmen der Landesregierung bei der 2G-Plus-Regelung, wodurch für einige Besucher doch keine Testpflicht gilt. Am Wochenende sei es allerdings etwas schwierig für das Einlasspersonal gewesen, welche QR-Codes nun eigentlich kontrolliert werden müssen. Da man das Publikum aber vorab informieren konnte, hatten die meisten alle Nachweise parat.

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