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Der Nagoldtalradweg bei Altensteig-Neumühle endet vor einer Schranke. Kein Schild, kein Fahrradsymbol. Die Radler müssen auf die Landstraße ausweichen. Nicht mal einen Fahrradstreifen gibt es.

Ulrich Schmelzer aus Altensteig (Kreis Calw) ist passionierter Radler. Gerne setzt er sich auf sein Treckingrad und strampelt einfach los. Einige tausend Kilometer kommen da jedes Jahr zusammen. Er kennt viele Radwege im Land und weiß, was einen guten, sicheren Radweg auszeichnet. Seine Hausstrecke, der Nagoldtalradweg von Altensteig zur Erzgrube, gehört nicht dazu, obwohl das erste Stück noch gut ausgebaut ist.

Vom Schotterweg in den Matsch

Dann aber wird der Radweg immer schmaler, wechselt zum weichen Wanderweg, führt über einen Steg, weiter im Matsch zum Ausflugslokal Neumühle. Dort endet der Radweg vor einer Schranke. Fassungslos blicken die Radler auf die vielbefahrene Straße. Und nun? Kein Schild, kein Fahrrad-Symbol - nirgends. Dem Radler bleibt nichts anderes übrig, als auf der Landstraße weiterzufahren.

Ausbau der Landstraße ohne Radstreifen

Ulrich Schmelzer ärgert besonders, dass die Straße vor zwei Jahren für mehrere Millionen Euro ausgebaut wurde, aber keine Radstreifen bekommen hat. Die Radler müssen die Fahrspur mit Autos, Bussen, Motorrädern und LKW teilen.

Schon viele Leserbriefe habe er deswegen in der Lokalpresse geschrieben, auch bei der Stadt Altensteig nachgefragt, doch passiert sei nichts. Die politisch Verantwortlichen favorisierten eben den Autoverkehr und seien keine Klimaschützer, schimpft der pensionierte Lehrer Schmelzer.

Altensteig plant Radweg auf Stegen

Doch der Bewusstseinswandel ist angekommen. Eine Nachfrage des SWR beim Regierungspräsidium Karlsruhe ergab: Der gefährliche Teil konnte bisher nicht ausgebaut werden, da man mit Grundstücksbesitzern keine Einigung erzielen konnte, so eine Pressesprecherin der obersten Planungsbehörde. Neuer Schwung kommt jetzt aus Altensteig. Die Stadt entwickelt gerade ein neues Radwegenetz, das auch das gefährliche Straßenstück am Nagoldtalradweg einbinden soll. Einbezogen werden alte Fischteiche und die Nagoldauen, die zwischen Straße und Wald parallel zur Nagold verlaufen. Auf einem etwa 2,5 Meter breiten Steg sollen die Radler durch die schöne Landschaft fahren können, sagt der Leiter des Altensteiger Tiefbauamts Dirk Geiser.

"Dass der Radler mal ein anderes Flair bekommt. Denn im Wald sieht jeder Weg gleich aus."

Fördermittel vom Land

Auch eine Besucherplattform und ein überdachter Weg am Waldrand, eine Galerie wie im Gebirge, schweben Altensteigs Planern vor. Wenn der Gemeinderat den Vorschlag annemme, werde man offensiv auf die Nachbargemeinden Seewald und Grömbach zugehen, sagt Hauptamtsleiter Thomas Bräuning. Dann wäre nur noch das Finanzierungsproblem zu lösen, so Bräuning. Doch da hat das Karlsruher Regierungspräsidium Fördermittel in Aussicht gestellt. Es geht also doch was voran und das letzte Stück des Nagoldtalradwegs kann, irgendwann, umgebaut werden.

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