Der Schriftzug «Polizei» an einem Polizeirevier (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Boris Roessler)

Offener Brief im Amtsblatt

Nach Morddrohung: Bürgermeister von St. Johann wendet sich an Gemeinde

STAND

Der Bürgermeister von St. Johann im Kreis Reutlingen hat sich im Amtsblatt an seine Gemeinde gewandt. Zuvor hatte er ein Schreiben mit einer Morddrohung erhalten.

In dem Brief an den St. Johanner Bürgermeister Florian Bauer standen allerlei Gewaltphantasien und sexuelle Anfeindungen. In einem SWR-Interview erklärte der 46-Jährige, dass er nicht wisse, woher der Hass gegen ihn aktuell komme. Mit seiner Homosexualität ist Bauer stets offen umgegangen. Der Öffentlichkeit ist bekannt, dass er seit fast 20 Jahren mit einem Mann verheiratet ist. Da Bauer nun seit fast sieben Jahren Bürgermeister von St. Johann ist, kann er sich die Anfeindungen und die Morddrohung nur mit seiner Corona-Politik erklären. Immer wieder mache er auf Impfaktionen aufmerksam. Dass die Drohung damit zusammenhänge, sei allerdings reine Spekulation. Kommunalpolitisch gebe es derzeit keine Reizthemen, so Bauer.

Polizei patrouilliert vor Haus des Bürgermeisters

"Angst habe ich keine", sagte der 46-Jährige. Es sei nicht so, dass er sich jetzt ständig über die Schulter schaue und gucke, ob jemand hinter ihm sei. Dennoch patrouilliere die Polizei derzeit regelmäßig vor seinem Haus.

Rückhalt aus der Gemeinde

Seine Gemeinde stärkt ihm den Rücken, seit er die Geschichte im Amtsblatt bekannt gemacht hat. Dem SWR sagte Bauer, dass er von dem Rückhalt in St. Johann überwältigt sei. Ihn erreichten zahlreiche Briefe, Postkarten und Mails. "Die Jugendfeuerwehr St. Johann hat sich wirklich umwerfend bei mir gemeldet."

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