Mehr Tierwohl und bessere Fleischqualität

Mobiler Schlachtwagen in Baiersbronn

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Der Schlachthofskandal in Gärtringen hat aufhorchen lassen. In Baiersbronn (Kreis Freudenstadt) gibt es einen mobilen Schlachtwagen, der Tieren einen stressfreien Tod ermöglichen soll.

Die Art und Weise, wie Tiere getötet beziehungsweise geschlachtet werden, ist entscheidend für die Fleischqualität, sagen Experten. Je mehr Stress, desto mehr Adrenalin. Um das zu verhindern, werden beim mobilen Schlachten Kühe direkt auf den Bauernhöfen getötet, damit man die Tiere nicht lebend und adrenalintreibend transportieren muss.

Conny und Mario Zimmermann betreiben den ältesten Bauernhof in Baiersbronn im Nordschwarzwald. Auf dem Seidtenhof züchten sie Rinder und einmal im Monat wird eines geschlachtet. Zum zweiten Mal nutzen sie dafür den neuen Schlachtwagen, den die Gemeinde den Landwirten zur Verfügung stellt.

"Schlachten ist immer aufregend. Also das ist ja nichts, wo dann so einfach im Tagesgeschäft mitläuft, sondern es ist einfach so: man kann in den letzten zwei Minuten alles kaputt machen, was man in zwei Jahren in das Tier investiert hat - an Zeit, an Liebe, an Futter, an Umgänglichkeit."

Mehr Tierschutz, hoher Aufwand

Damit das Schlachttier der Zimmermanns kein Verdacht schöpft, steht es seit zwei Tagen mit einem zweiten Tier im Stall, direkt am Ausgang. Bei der Schlachtung vor Ort ist es Vorschrift, dass ein Tierarzt dabei ist, sollte etwas schief gehen. Vom Tierschutz her sei es auf alle Fälle ein Fortschritt, so der Tierarzt. Allerdings sei der organisatorische Aufwand für alle Beteiligte hoch.

Ein kurzer Knall, dann ist es für den Bullen zu Ende. Samt Gestell wird das Tier in den Schlachtwagen gezogen und dort dann noch das Blut abgelassen. Nun bringt es Zimmermann auf dem schnellsten Weg zum Schlachthaus zur Weiterverarbeitung.

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Schlachtwagen gehört Baiersbronn

Der Schlachtwagen gehört der Gemeinde Baiersbronn. Sie hat dafür 120.000 Euro ausgegeben. Besser könne es gar nicht gehen, so Bürgermeister Michael Ruf. Der Verbraucher bekomme Fleisch direkt von den Baiersbronner Wiesen und die Schlachtung laufe für das Tier so verträglich wie möglich. Das sei auch für den Gemeinderat entscheidend gewesen.

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