Ministerpräsident Kretschmann bei Flüchtlingen aus der Ukraine in der LEA Sigmaringen (Foto: SWR, Jörg Heinkel)

Über 850 Flüchtlinge aus Ukraine untergebracht

Kretschmann will mehr Plätze für Flüchtlinge in der LEA Sigmaringen schaffen

STAND

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat die Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Sigmaringen besucht. Die Eindrücke berührten ihn sichtlich.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) will in der Landeserstaufnahmestelle in Sigmaringen (LEA) noch mehr Plätze für Geflüchtete aus der Ukraine schaffen. Das kündigte er bei einem Besuch der Einrichtung am Mittwoch an. Gemeinsam mit Justiz- und Migrationsministerin Marion Gentges (CDU) hatte sich Kretschmann ein Bild von der Lage in der Unterkunft gemacht. Die Eindrücke berührten ihn sichtlich.

"Das geht einem schon unter die Haut."

Zuvor hatte er sich mit einem Paar unterhalten, das vor zehn Tagen mit ihren neun Monate und vier Jahre alten Kindern nach Deutschland geflohen war. Der IT-Ingenieur und seine Frau, die sich noch im Mutterschutz befindet, erzählten, dass sie eine Woche lang in der ukrainischen Hauptstadt Kiew in einem Keller Schutz vor den Bomben gesucht hatten.

Video herunterladen (3 MB | MP4)

Nur noch wenige freie Plätze

Aktuell halten sich 865 Geflüchtete aus der Ukraine in der LEA in Sigmaringen auf. Nach Informationen des SWR gibt es dort nur noch wenige freie Plätze. Mit den Geflüchteten aus anderen Ländern wie Syrien finden derzeit 1.455 Menschen auf dem Gelände der ehemaligen Graf-Stauffenberg-Kaserne Zuflucht. Die LEA soll als erste sichere Anlaufstelle dienen. Migrationsministerin Gentges zeigte sich dankbar für die Hilfe, die die Flüchtlinge in Sigmaringen bekommen.

"Diesen Menschen zu helfen, ist unsere moralische Pflicht, aber auch eine Herausforderung für uns alle. Zunächst müssen wir den Betroffenen eine sichere Bleibe bieten. Allen Standorten der Landeserstaufnahmeeinrichtungen bin ich für großartige und pragmatische Unterstützung dankbar."

Ministerpräsident Kretschmann bei Flüchtlingen aus Ukraine in LEA Sigmaringen (Foto: SWR, Jörg Heinkel)
Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Gespräch mit Familien, die wegen des Krieges aus ihrer Heimat in der Ukraine geflohen sind. Jörg Heinkel

Plätze verdoppelt für Flüchtlinge in LEA Sigmaringen

Bereits Anfang März hatte das Regierungspräsidium Tübingen (RP) bekannt gegeben, dass die LEA Sigmaringen wegen der Flüchtlinge aus der Ukraine doppelt so viele Menschen beherberge wie zuvor. Trotz Corona mussten die Gebäude nun wieder enger belegt werden, hieß es von Seiten des RP. Zudem wurden zwei weitere, bisher leerstehende Gebäude auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände mit Betten ausgestattet. Schon in den vergangenen Monaten, also vor dem Krieg gegen die Ukraine, war die LEA immer wieder fast voll belegt gewesen.

"Ich erlebe hierzulande gerade eine große Solidarität mit den Geflüchteten und viel Hilfsbereitschaft. Dies macht mich stolz und dankbar. Ich bin tief beeindruckt, was für einen guten Job hier alle machen!"

Baden-Württemberg

12.000 Plätze in Unterkünften bereit Tausende Geflüchtete aus Ukraine erwartet: BW kämpft mit großen Problemen bei Verteilung

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine flüchten viele Menschen ins Ausland - auch in Baden-Württemberg suchen viele Schutz. Doch die Flüchtlingsverteilung läuft nicht rund.  mehr...

Fast 8.000 Flüchtlinge aus Ukraine in BW

Insgesamt sind laut Stuttgarter Justizministerium bisher 7.800 Menschen aus der Ukraine in den Aufnahmezentren des Landes angekommen. Neben Sigmaringen auch in den anderen Landeserstaufnahmestellen in Freiburg, Karlsruhe und Ellwangen. Auch in der ehemaligen LEA in Meßstetten (Zollernalbkreis) sind seit vergangener Woche mehrere hundert Geflüchtete aus der Ukraine untergekommen. In Stuttgart, Karlsruhe und Offenburg wurden vorläufige Unterkünfte in Messehallen geschaffen.

Mehr zum Thema

Baden-Württemberg

Landtagsdebatte zu Umgang mit Geflüchteten aus Ukraine Zehntausende Kriegsflüchtlinge in Baden-Württemberg erwartet - Diskussion um gerechte Verteilung

Im Landtag haben die Abgeordneten über die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine auf Baden-Württemberg diskutiert. Land und Kommunen müssen sich auf Herausforderungen einstellen.  mehr...

Aktuelle Berichte, Videos und Reportagen Krieg in der Ukraine: Was bedeutet das für den Südwesten?

Der Krieg in der Ukraine hat auch Auswirkungen auf Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.  mehr...

Tübingen

Flüchtlingsunterkünfte von der Alb bis zum Schwarzwald Wo kommen Geflüchtete aus der Ukraine in der Region aktuell unter?

In der früheren Kaserne in Meßstetten (Zollernalbkreis) werden die ersten 100 Flüchtlinge erwartet. In der Tübinger Kreissporthalle sind bereits Ukrainerinnen und Ukrainer untergekommen.  mehr...

Meßstetten

Welle der Hilfsbereitschaft Ukraine-Krieg: Flüchtlinge in ehemaliger Meßstetten wieder willkommen

Im neuen "Ankunftszentrum Ukraine" in Meßstetten (Zollernalbkreis) können rund 800 Menschen Zuflucht finden. Sie sind laut Stadtverwaltung herzlich willkommen.  mehr...

Stuttgart

Krieg in der Ukraine Hauptbahnhof Stuttgart: Live-Blog zur Ankunft von Flüchtlingen aus der Ukraine

Immer mehr Menschen aus der Ukraine kommen nach Baden-Württemberg - viele über den Stuttgarter Hauptbahnhof. Was erwartet sie dort? Wer hilft ihnen? Und wie geht es ihnen?  mehr...

Ulm

Bislang noch keine Verwundeten eingetroffen Kriegsopfer aus der Ukraine: So ist das Ulmer Bundeswehrkrankenhaus vorbereitet

Das Bundeswehrkrankenhaus in Ulm (BWK) ist spezialisiert auf Kriegsverletzungen und wartet auf Opfer aus der Ukraine. Ein Arzt erklärt, welche Herausforderungen das mit sich bringt.  mehr...

STAND
AUTOR/IN
SWR