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Verschleppt, eingesperrt, gefoltert – Zehn Briefe im Eingangsbereich des Tübinger Rathauses prangern Menschenrechtsverletzungen an. Auch in Reutlingen gibt es eine Aktion.

Dieses Jahr hat Amnesty International besonders junge Menschen für den Briefmarathon ausgesucht. Etwa einen Schüler in Mexiko, der festgenommen und gefoltert wurde, vermutlich nur, weil er zur indigenen Minderheit der Maya gehört. Oder eine Frau im Iran, die für 16 Jahre im Gefängnis sitzt, weil sie gegen den Kopftuch-Zwang demonstrierte.

Langer Tisch im Rathaus, darauf Briefe an Regierungen (Foto: SWR, Stefanie Assenheimer)
Tübingens OB Boris Palmer und Gerlinde Strasdeit, Vorsitzende der Linken-Fraktion im Tübinger Gemeinderat, unterschreiben Briefe an unterschiedliche Regierungen in aller Welt. Stefanie Assenheimer

Das sind zwei von zehn Fällen, auf die Amnesty International mit einem sogenannten Briefmarathon aufmerksam macht - am Tag der Menschenrechte, dem 10. Dezember. Auch die Amnesty Gruppe in Tübingen beteiligt sich am Briefmarathon. Die Briefe, die im Eingangsbereich des Tübinger Rathauses ausliegen, kann bis zum 19. Dezember jeder unterschreiben, der sich ein paar Minuten Zeit nimmt.

Masse macht Macht

Oberbürgermeister Palmer und viele Gemeinderäte haben unterschrieben. Die Briefe gehen an die jeweiligen Regierungen, in der Hoffnung, an der Situation etwas zu ändern. Und Amnesty hat Erfolge vorzuweisen. So wurde in der Ukraine eine Frau angegriffen, weil sie sich für die Rechte von Lesben und Schwulen einsetzt. 400.000 Briefe erreichten die ukrainischen Behörden. Dieses Jahr bekam die Frau bei einer Kundgebung Polizeischutz.

Moralische Unterstützung

Erfolg bedeutet für es für Amnesty aber auch, wenn Gefängnisinsassen einen Anwalt oder Kleidung bekommen. Zugleich sei die emotionale Unterstützung wichtig, so Mira Ölmayer von der Tübinger Amnesty Hochschulgruppe. Es bedeute Gefängnisinsassen oft eine große Hilfe, zu wissen, dass die Weltbevölkerung nicht wegschaue.

Amnesty International (Foto: SWR, Stefanie Assenheimer)
Nigeria, Kanada oder China - Info-Blätter zeigen, wo überall auf der Welt Menschen zu Unrecht in Haft sind. Stefanie Assenheimer

Menschenrecht auf Frieden

Ebenfalls zum Tag der Menschenrechte ruft die Gesellschaft Kultur des Friedens für Dienstagabend zu einer Kundgebung in der Tübinger Innenstadt auf. Thema: Für ein Menschenrecht auf Frieden.

Benefizabend in Reutlinger Kreuzkirche

In Reutlingen gibt es am Mittwoch einen Benefizabend in der Kreuzkirche, bei dem über die Situation von Geflüchteten an den Außengrenzen Europas berichtet und geredet wird. Für die Reutlinger Asylpfarrerin Ines Fischer sind die Zustände dort menschenrechtlich nicht tragbar.

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