Verhülltes Rathaus von Mühlheim an der Donau (Foto: SWR, Magdalena Knöller)

Kuriose Entdeckung bei Gebäudesanierung

Rätsel um 370.000 gefundene Reichsmark im Rathaus in Mühlheim

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Magdalena Knöller

Woher kommen tausende Reichsmark, die Zimmerleute bei der Sanierung des Jahrhunderte alten Rathauses in Mühlheim an der Donau (Kreis Tuttlingen) gefunden haben?

In einem der rund 650 Jahre alten Säulen aus Eichenholz in der Vorhalle des Rathauses in Mühlheim an der Donau haben Handwerker vier Geldscheine im Gesamtwert von 370.000 Reichsmark entdeckt. Sie waren in eine Zigarettenschachtel aus dem Jahr 1935 geklemmt und hinter einem dicken Geländerbalken versteckt. Als der bei den aktuellen Sanierungsarbeiten abmontiert wurde, kam der historische Fund zum Vorschein.

Zimmerleute hinterlassen Botschaften

Auf die Zigarettenschachtel hatten die Zimmerleute, die das Rathaus in den 1930er Jahren sanierten, ihre Namen geschrieben. Das machen Zimmerer auch heute noch manchmal, um der Nachwelt zu zeigen, wer hier am Werk war, sagte Projektleiter Gottlieb Riedinger dem SWR. Helmut Grunwald, Zimmermann der Holzbaufirma Ott in Gammertingen (Kreis Sigmaringen) hatte mit einem Kollegen das Geld gefunden und bestätigte dem SWR, dass auch er auf Baustellen ab und an eine Botschaft hinterlässt.

Alte Geldscheine (Foto: SWR, Magdalena Knöller)
Das alles wurde unter anderem im Gebälk des Rathauses entdeckt: Reichsmark-Scheine, Zigarettenschachtel mit Unterschriften und Gewehr-Kugeln. Magdalena Knöller

Weitere Funde in Mühlheim an der Donau

Bei der Sanierung des Jahrhunderte alten Rathauses ist neben den Geldscheinen auch noch anderes Historisches gefunden worden: In manchen Holzbalken steckten Kugeln aus Gewehren, die möglicherweise aus dem Dreißigjährigen Krieg stammen, und im Turm wurde ein Brief eines Jungen aus Mühlheim gefunden, der darin Adolf Hitler verehrt. Alle Funde bewahrt nun Ludwig Henzler auf, der sich als Hobbyhistoriker ehrenamtlich um das Stadtarchiv kümmert.

Das kostet die Rathaus-Sanierung

Mit dem Geldfund von 370.000 Reichsmark lässt sich die aktuelle Sanierung des Rathauses in der 3.500-Einwohnerstadt Mühlheim an der Donau natürlich nicht finanzieren. "Schön wäre es", sagte Bürgermeister Jörg Kaltenbach schmunzelnd dem SWR. Die aktuellen Kosten betragen rund 900.000 Euro. Durch zusätzliche Arbeiten am Dachstuhl inklusive einer energetischen Sanierung könnten noch 400.000 Euro hinzukommen, wenn der Gemeinderat denen zustimme, so Kaltenbach.

Sanierung im Rathaus in Mühlheim an der Donau (Foto: SWR, Madgalena Knöller)
In dieser Säule aus Eichenholz (rechts) steckte die Zigarettenschachtel mit Geldscheinen. Zimmermannsleute hatten sie dort im Jahr 1935 oder 1936 hinter den Balken eines Geländers eingeklemmt und versteckt. Madgalena Knöller

Wert der 370.000 Reichsmark

Die Geldscheine waren schon damals, im Jahr 1923, als sie gedruckt wurden, kaum noch was wert.

"In der Zeit der Inflation in den 1920er Jahren kostete ein Liter Milch eine Milliarde Reichsmark. Die Scheine aus dem Versteck der Zimmerleute waren nichts mehr wert."

Auch wenn die Scheine heute und damals finanziell nichts mehr wert sind, so freut sich Hobby-Historiker und ehrenamtlicher Stadtarchivar Ludwig Henzler über den Fund. Sie sollen der Nachwelt erhalten bleiben und dokumentieren, was wann und wie im Mühlheimer Rathaus gefunden und gearbeitet wurde.

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