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Für Empörung sorgte im Landkreis Tübingen ein langjähriger Fall von sexuellem Missbrauch. Weil die Opfer Pflegekinder waren, wurde das Jugendamt kritisiert. Das bekommt jetzt zwei neue Stellen.

Der Fall im Steinlachtal wurde inzwischen juristisch aufgearbeitet: Ein Pflegevater wurde wegen sexuellen Missbrauchs seiner Pflegetöchter zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Der Prozess wurde in der Öffentlichkeit aufmerksam verfolgt, denn es ging dabei auch um die Frage, ob es Versäumnisse seitens des Jugendamtes im Landratsamt gab. Die Mitarbeiter wurden heftig kritisiert; eine Psychologin, die selbst eines der Mädchen behandelt hatte, erstattete Anzeige gegen den Landrat Joachim Walter. Bei einer Kreistagssitzung wurde jetzt klar, dass im Jugendamt Personal fehlt.

Viele Mitarbeiter krank

Der Leiter der Abteilung Jugend und Soziales, Horst Lipinski, sagte, immer weniger Personal müsse immer mehr Arbeit stemmen. Die Herausforderungen hätten exorbitant zugenommen. Hinzu kämen viele kranke Mitarbeiter und die Amtsleitung sei de facto unbesetzt. Und das in einer Zeit, in der coronabedingt viel mehr Arbeit anfällt: mehr Beratungsgespräche und mehr Kinder und Jugendliche, die man in Obhut nehmen müsse.

Viele neue Verdachtsfälle

Die Verdachtsfälle haben im ersten Halbjahr 2021 erschreckend zugenommen, berichtete die Leiterin der Fachberatungsstelle sexualisierte Gewalt in der Kreistagssitzung. Der Rat beschloss deshalb zu handeln und entschied, zwei weitere Stellen fürs Jugendamt zu schaffen: einen stellvertretenden Jugendamtsleiter sowie einen Juristen, der beispielsweise Sozialpädagogen bei rechtlichen Problemen unterstützt. Denn durch neue Gesetze und Regelungen gibt es verstärkt Anzeigen gegen einzelne Mitarbeiter.

Außerdem hat der Kreistag entschieden, dass der Jugendhilfeausschuss erweitert wird. Künftig sitzt in dem Gremium auch ein Experte der Kinder- und Jugendpsychiatrie - auch das eine Folge aus dem Missbrauchs-Skandal im Steinlachtal.

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