Verpackungsmaschine für FFP2 Masken (Foto: SWR, Katja Schiementz)

Masken aus Asien statt "Made in Germany"

Maskenhersteller in Albstadt und Schwenningen in der Krise

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Deutsche Maskenhersteller fühlen sich von der Politik allein gelassen. Mit Geld vom Staat wurde Anfang der Pandemie eine Maskenindustrie aufgebaut. Große Aufträge erhalten nun aber wieder Asiaten.

Zu Beginn der Corona-Pandemie waren Mund-Nasen-Masken Mangelware. Selbst in Praxen und Kliniken musste man sparsam damit umgehen. Eine deutsche Maskenindustrie gab es vor 2020 nicht, und Asien hatte die Lieferungen gestoppt. Die Politik rief daraufhin deutsche Unternehmen auf, in die Maskenproduktion einzusteigen. Auch, um unabhängig vom asiatischen Markt zu sein. So wurde unter anderem mit Hilfe von Steuergeldern schnell ein neuer Zweig aufgebaut. Auch in der Region haben sich einige Firmen Maschinen gekauft und haben produziert.

Firma aus Albstadt investierte

Eine davon ist die Firma Peter Müller aus Albstadt (Zollernalbkreis). Sie produziert vor allem medizinische und orthopädische Bandagen und Kompressionsstrümpfe. Da passten medizinische Masken gut ins Portfolio, dachte Alexander Müller, als die Bundesregierung in der Maskenkrise um Hilfe bat. Man habe sich dann eine Maschine für über 250.000 Euro angeschafft. Vom Bund habe es Zuschüsse gegeben, so Müller. Der Output an Masken war hoch.

Masken aus Asien bevorzugt

Doch heute sind Masken aus Asien wieder verfügbar. Sie gewinnen in der Regel die Ausschreibungen für Großaufträge, weil sie am billigsten sind. So regelt es die EU-Vergabeverordnung für öffentliche Aufträge. Das heißt, statt Masken "Made in Germany" kaufen Bund, Länder, Kommunen, Kliniken wieder überwiegend aus China. Eine Katastrophe, sagen deutsche Produzenten.

Keine Aufträge mehr für Schwenninger Firma

Für die Herstellung von FFP2 Masken hat zum Beispiel Univent Medical aus Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis) neun Maschinen zu je 750.000 Euro gekauft, so die Angaben von Chef Thomas Vosseler. Zu Spitzenzeiten beschäftigte er 170 Leute. Heute sind es knapp 90. Univent gehörte zu den Gewinnern einer Ausschreibung des Bundes und produzierte Millionen Masken für das Gesundheitsministerium. Kürzlich lief der Auftrag aus, so Vosseler. "Seither haben wir es nie mehr geschafft, einen öffentlichen Auftrag zu bekommen".

"Deutscher Maskenmarkt faktisch tot"

In der Hochphase der Maskenproduktion hat sich der Maskenverband Deutschland gegründet. Der Schwenninger Unternehmer Vosseler ist Gründungsmitglied und sagt, der ganzen Branche gehe es schlecht. Der Verkauf von Masken an Privatleute über die Online-Shops der Hersteller laufe auf einem niedrigen Niveau. Doch um überleben zu können, benötigten die Maskenhersteller öffentliche Aufträge mit Millionen-Stückzahlen, so Vosseler. Der deutsche Maskenmarkt sei faktisch tot. Viele hätten aufgegeben und versuchten nun, Material und Maschinen wieder zu verkaufen.

Weniger Arbeitsplätze, laufende Kosten

Die fehlende Großaufträge haben Folgen: Arbeitsplätze gehen verloren. Verträge mit Fliesstofflieferanten müssen gekündigt werden oder sind bereits gekündigt, so wie bei der Firma Peter Müller aus Albstadt. Doch Kosten fallen noch an, denn man erwarte "nochmal eine Lieferung, die ein Jahr hält, wenn die Maschine voll ausgelastet ist", sagt Alexander Müller. Er ist enttäuscht und frustiert.

"Ich als junger Unternehmer, der gerade mal am Anfang ist, wird sich genau überlegen, ob er der Politik, wenn sie um etwas bittet, nochmal Folge leistet."

Fritz Renz von der Firma Alb-Stoffe aus Albstadt kennt die radikalen Wendungen der Politik. Er produzierte zu Beginn der Pandemie Stoffmasken. Von heute auf morgen wurden die als untauglich eingestuft. Das Lager der Firma ist noch voll damit. Doch Fritz Renz wollte nicht aufgeben. Und macht heute medizinische Masken - allerdings mit bunten, modischen Aufdrucken – die lassen sich momentan sehr gut verkaufen. Trotzdem kritisiert Renz die Politik, weil Billiganbieter bevorzugt würden.

"Man baut erst mit unseren Steuergeldern eine Industrie auf und lässt sie nachher hängen. Da versteht man nichts mehr."

Änderungen bei der Vergabe gefordert

Renz sowie der Maskenverband fordern, das EU-Vergaberecht zu ändern. Die öffentlichen Auftraggeber, wie Bund, Ministerien, Kommunen und Kliniken sollten ihre Ausschreiben so gestalten, dass nicht allein der niedrige Preis das ausschlaggebende Kriterium ist, sondern andere Kriterien zählen, wie zum Beispiel die CO2-Bilanz.

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