Das Naturtheater Hayingen war sein Lebenswerk

Kultur- und Theaterverein erinnert sich: Verstorbener Schauspieler Martin Schleker hatte hohe Ansprüche

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Miriam Plappert

Martin Schleker hat in bekannten SWR-Fernsehproduktionen wie "Die Fallers" und dem "Tatort" mitgespielt. Doch seine wichtigste Rolle war die am Naturtheater Hayingen (Kreis Reutlingen).

Martin Schleker ist am 6. April im Alter von 86 Jahren im Kreise seiner Familie gestorben. Er hatte dutzende Hörspiele, Drehbücher und Kurzgeschichten geschrieben, Preise und Stipendien gewonnen und zwei autobiographische Erzählbände veröffentlicht. Sein Herz hing aber am Naturtheater Hayingen im Kreis Reutlingen, das er leitete. Dort wirkte er als Regisseur, Stückeschreiber und Schauspieler.

Im vergangenen Sommer das letzte Mal auf der Bühne

Martin Schleker stand im vergangenen Sommer zum letzten Mal auf der Freilichtbühne in Hayingen. Gemeinsam mit seiner Tochter Eva Schleker sang er eines seiner liebsten Lieder im Duett. Schleker habe immer einen hohen Anspruch an sich gehabt, wenn er auf der Bühne stand. Dieser Abend sei etwas besonderes gewesen, weil Schleker nach langer Zeit noch einmal auftrat, so Eva Schleker. Sie habe gemerkt, wenn sie ihn anguckte und sie sich in die Augen schauten, dass sie sich gegenseitig Sicherheit gaben.

Martin Schlecker als Dirigent (links) (Foto: Eva Schleker)
Martin Schleker (links) als Dirigent in jungen Jahren. Eva Schleker

Das Naturtheater groß gemacht

Einem breiten Fernsehpublikum bekannt wurde Schleker durch SWR-Produktionen: Er spielte unter anderem bei den "Fallers" mit, außerdem im "Tatort" mit Kommissar Bienzle.

Seine wichtigste Rolle war aber die am Naturtheater Hayingen. Er übernahm es 1968 von seinem Vater, Martin Schleker senior. Zuvor hatte er die Schauspielschule in Stuttgart besucht. Ganz einfach sei der Start ihres Vaters am Naturtheater nicht gewesen, so Eva Schleker. In alten Zeitungsartikel habe es anfangs geheißen, der Junior mache das Theater kaputt. Da war große Skepsis, weil er mit moderneren Ansätzen kam und nicht bloß ein reines Unterhaltungstheater gemacht habe, sondern auch politische Zwischentöne mit vorkamen, so die Tochter. Letztlich ist das Naturtheater Hayingen aber gerade mit und durch Schleker groß und überregional bekannt geworden. Schleker hat gezeigt, wie Theater auf dem Land funktionieren kann.

Das Naturtheater kam für Schleker immer an erster Stelle. So sagte er einmal:

"In der Stadt kann meine Arbeit auch ein anderer machen, aber hier auf dem Land da braucht man mich."

"Das Naturtheater war sein Lebenswerk. Seine große Utopie", so Eva Schleker. Aus heutiger Sicht sei ihr Vater eine Art Theaterpädagoge und Sozialarbeiter gewesen. Er besuchte die Hayinger zu Hause und ermutigte sie mitzuspielen. Er habe den Leuten den Ruck gegeben, den es gebraucht habe, sich das zuzutrauen und hinzustehen. Die Rollen habe er den Menschen aus seinem Heimatort auf den Leib geschrieben. "Er wollte aufrütteln und berühren, aber nie mit dem Finger auf jemanden zeigen."

Das Abgeben fiel ihm schwer

Es war ein langer Prozess, bis Schleker das Theater abgab, erinnert sich seine Tochter. Der Abschied vom Theaterspielen sei für ihn sehr schmerzhaft gewesen. Von seinen vier Kindern habe er aber er nie verlangt, das Theater zu übernehmen.

"Er hat uns das nie als Hypothek aufgelegt, dass wir das müssen."

Dennoch ist Eva Schleker nun wieder im Naturtheater aktiv. Gemeinsam mit Peter Edelburg leitet sie den Kultur- und Theaterverein Hayingen und ist für die Programmplanung des Theaters zuständig.

Die Familie bleibt weiter mit dem Naturtheater verbunden

Vergangenen Sommer hat Schlekers Frau Christa mitgespielt, seine Töchter und Enkeltöchter haben das Bühnenbild gemalt. In den vergangenen Jahren hat Schleker zurückgezogen gelebt. Seine Frau Christa hat ihn zu Hause gepflegt. "Er wollte einfach in Ruhe alt werden und dann auch zu Hause sterben wenn es an der Zeit ist."

Ihm zu Ehren wird eine Eiche gepflanzt

Eine klassische Beerdigung auf dem Friedhof wird es nicht geben, so Eva Schleker, aber eine Einäscherung. Ihm zu Ehren soll außerdem eine Eiche auf der Freilichtbühne in Hayingen gepflanzt werden. Ein Ort, an dem man vorbeigehen und sich an Martin Schleker erinnern kann.

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