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Fünf Jahre lang war Marcel Wagner der Leiter des ARD-Hörfunkstudios in Paris. Jetzt ist er zurück in Tübingen, wo seine journalistische Karriere begann. Im SWR Studio dort wird er künftig Redaktionsleiter für Radio, Fernsehen und Online.

Die erste Welle der Corona-Pandemie und den Lockdown in Frankreich hat Marcel Wagner mit seiner Familie in einem Ferienhaus überstanden. Aber als ARD-Hörfunkkorrespondent in Paris erlebte er auch weniger amüsante Dinge. SWR-Moderator Markus Beschorner hat mit seinem Kollegen Marcel Wagner gesprochen.

SWR Aktuell: Von der schillernden Welt- und Modestadt Paris ins beschauliche, romantische Tübingen. Ist das schon eine andere Welt?

Marcel Wagner: Ja, das ist schon eine andere Welt, das muss man ganz klar sagen. Paris, die dicht besiedelste Stadt Europas, ist wahnsinnig stressig, wenn man da lebt. Es ist nicht immer schön, in Paris zu leben. Und dagegen jetzt in Tübingen angekommen zu sein, das ist wirklich schön. Nicht nur, weil Tübingen jetzt Modellstadt geworden ist, sondern einfach, weil das Leben hier ganz anders läuft, viel gemütlicher. Wir genießen das jetzt absolut. Ich freue mich, Rennrad fahren zu können, auf der Alb oder auch im Schwarzwald. Meine Frau ist hier in Tübingen an der Uni, das heißt, die kann jetzt auch endlich wieder dort arbeiten und nicht mehr nur Homeoffice machen. Das Einzige, woran ich mich ganz schwer gewöhne, ist an roten Ampeln anzuhalten, auch wenn kein Auto kommt. Das macht in Paris einfach keiner.

Du warst fünf Jahre lang Korrespondent in Paris in der Zeit, in der es die Gelbwesten gab, den Corona-Lockdown, den Brand von Notre Dame. Aber du hast auch den deutschen Weltumsegler Boris Herrmann nach seiner Kollision kurz vor dem Ziel an der stürmischen Atlantikküste empfangen. Was ist da am stärksten hängen geblieben?

Ich glaube, am stärksten hängengeblieben ist vielleicht schon die Gelbwesten-Bewegung und der Tag des Brandes von Notre Dame. Das waren wahnsinnige Erlebnisse. Insgesamt ist aber ganz viel hängen geblieben aus fünf Jahren. Viele Freundschaften mit vielen Französinnen und Franzosen, die wir da vor Ort geknüpft haben. Verständnis dafür, wie unterschiedlich eigentlich die beiden Länder manchmal ticken. Das sieht man jetzt auch in der Corona-Politik, wo ja die zwei Länder ganz unterschiedliche Art und Weisen haben, damit umzugehen.

Und jetzt beginnt für dich und deine Familie ein neuer Lebensabschnitt - vor allem auch beruflich als Redaktionsleiter im SWR Studio Tübingen. Es ist eine Rückkehr. Wie hat es dich denn zum ersten Mal nach Tübingen verschlagen?

Meine Frau war damals schuld. Ich komme eigentlich aus dem Ruhrgebiet, habe aber in Bonn studiert, in Bonn und Paris, und hab dann in Bonn meine Frau kennengelernt. Und die wollte dann nach Tübingen an die Universität damals wechseln. Ich habe in der Zeit ein Cafe geleitet, neben meinem Studium und kurz nach dem Studium. Dann habe ich gedacht: Okay, eigentlich wollte ich ja immer Journalist werden. Dann bewerbe ich mich jetzt beim SWR. Und ohnehin habe ich die Gegend hier sehr gemocht. Ich habe schon mit meinen Eltern früher im Schwarzwald in Baiersbronn immer den Urlaub verbracht. Ich habe mich dann riesig gefreut, dass der SWR mir eine Chance gegeben hat, und mich damals hier als Auszubildenden engagiert hat. Das ist jetzt knapp 13 Jahre her. Dann haben wir einige Jahre in Tübingen gewohnt, und ich durfte auch meine allererste Station als Reporter hier auf dem Österberg im Studio machen. Das war super, und ich wäre hier wahrscheinlich auch gar nicht weggegangen, wenn es hier langfristig was für mich gegeben hätte. Das war damals aber aus verschiedenen Gründen nicht der Fall. Und so musste ich dann eben gehen, vielleicht im Nachhinein nicht so schlecht.

Der SWR in Tübingen ist immer gerne nach draußen gegangen, hat die Leute auf den Österberg eingeladen oder auf Weinwanderungen mitgenommen und Live-Sendungen veranstaltet. Wird es sowas weiterhin geben unter deiner Leitung?

Also, das finde ich ganz, ganz wichtig. Wir gehören ja den Menschen, und die Menschen haben ein Recht darauf, uns zu treffen. Und wir wollen die Menschen treffen, da, wo sie sind. Dazu gehört es einfach, dass wir rausgehen können. Dass wir wegen Corona jetzt solche Aktion nicht machen können, unsere Hörerinnen und Hörer, die Internetnutzer, die Fernsehzuschauer nicht treffen können, das finde ich ganz furchtbar. Und ich hoffe wirklich, dass das möglichst bald wieder geht. Und da würde ich gerne auch noch mehr machen, denn ich finde, wir müssen und wir sollen für die Menschen da sein.

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