Demonstranten mit einem Banner: gemeinsam für eine bessere Zukunft ohne Antisemitismus und Judenhass (Foto: SWR, Sarah Beschorner)

150 Menschen setzen ein Zeichen

Tübinger Marsch gegen Judenhass am Holocaust-Gedenktag

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Am jüdischen Gedenktag, der an die Millionen Opfer des Nazi-Regimes erinnert, haben sich Menschen aufgemacht, um zeigen, dass die Gräueltaten nicht vergessen sind.

In Albstadt zum Beispiel haben am Donnerstag, dem offiziellen jüdischen Holocaust-Gedenktag, 40 Menschen der im Nationalsozialmus Getöteten gedacht. In Tübingen nahmen rund 150 Menschen an einer Kundgebung auf dem Marktplatz teil. Der Verein Marsch des Lebens hatte dazu aufgerufen. Angekommen auf dem Marktplatz, lasen die Teilnehmer die Namen von 3.000 Holocaust-Opfern über Lautsprecher vor.

Reden auch über den heutigen Antisemitismus

Michaela Buckel vom Verein Marsch des Lebens sagte, die Shoa habe eine Lücke geschaffen. Die ermordeten Familien könnten noch da sein, dann "wären wir mit ihnen zur Schule gegangen, würden hier mit ihnen im Café sitzen". Auch der 83-jährige Pavel Hoffmann aus Reutlingen war am Donnerstag in Tübingen dabei. Seine jüdischen Eltern und Großeltern wurden im Nationalsozialismus vergast. Hoffmann überlebte als Kind durch Zufall. Er war schwer traumatisiert und schwieg lange. Heute spricht Hoffman viel. Aber nicht nur über den Holocaust, sondern vor allem über den Antisemitismus, der in Deutschland und im Rest der Welt aktuell wieder zugenommen hat. Man dürfe ihn nicht unterschätzen, sagte er.

Entschuldigung für den Urgroßvater

Auch Kyra-Lena Kugel kommt beim Gedenktag zu Wort. Die 30-jährige Tübingerin hat Vorfahren, die an den Ermordungen in der Nazizeit beteiligt waren. Einer ihrer Urgroßväter gehörte zur Wachmannschaft im Konzentrationslager Dachau. Die junge Frau bat den Holocaust-Überlebenden Hoffmann deshalb um Verzeihung – was aber aus dessen Sicht nicht sein muss, denn Kinder seien nicht verantwortlich für die Taten ihrer Eltern, so Hoffmann.

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