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Im Rechtsextremismus-Skandal um die Bundeswehr-Elitetruppe KSK in Calw sind geheime Ermittlungen gegen einen Unteroffizier durchgesickert. Der Soldat soll nun schnellstmöglich suspendiert werden.

Der Unteroffizier steht laut Verteidigungsministerium unter dringendem Rechtsextremismus-Verdacht. Der Militärische Abschirmdienst (MAD) hat demnach schon seit Monaten geheim gegen den Soldaten ermittelt. Es sollten gerichtsverwertbare Beweise für die Vorwürfe gesammelt werden.

Weil Informationen über die Ermittlungen nun jedoch an die Öffentlichkeit gelangt sind, könne man die geheimdienstliche Operation nicht fortsetzen. Deshalb werde nun offiziell ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Der Unteroffizier soll schnellstmöglich aus dem Kommando Spezialkräfte (KSK) entfernt werden. Außerdem soll ihm die Dienstausübung verboten werden.

Hitlergrüße und Rechtsrock bei Abschiedsfeier

Einzelheiten zu den Vorwürfen teilte das Ministerium nicht mit. Medienberichten zufolge soll es um Hitlergrüße auf einer Feier vor rund zweieinhalb Jahren gehen. Bei der Abschiedsfeier für einen Kompaniechef des KSK sollen mehrere Soldaten den Hitlergruß gezeigt und Rechtsrock gehört haben. Das hatten Recherchen des Funk-Formats "Y-Kollektiv", des NDR-Magazins "Panorama" und von Radio Bremen ergeben. Gegen den verabschiedeten Kompaniechef wurde ein Strafbefehl verhängt.

Militärischer Abschirmdienst in der Kritik

Seitdem werden nach und nach neue Einzelheiten zu rechtsextremen Umtrieben im KSK bekannt. Mittlerweile wird laut einem Bericht von "Spiegel Online" gegen gut zwei Dutzend Calwer Soldaten wegen rechtsextremistischer Tendenzen ermittelt. Der MAD beobachtet das KSK demnach mittlerweile verstärkt - nachdem man lange abgewiegelt und von Petitessen und Einzelfällen gesprochen hatte. Ehemalige KSK-Insider und Verteidigungspolitiker bezweifeln teilweise, dass der MAD seiner Kontrollaufgabe beim KSK überhaupt gerecht werden kann.

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