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Nach schweren Vorwürfen gegen das Tübinger Jugendamt fordert der Kreistag lückenlose Aufklärung. Es geht um die Frage, ob das Jugendamt sexuellen Missbrauch in einer Pflegefamilie hätte verhindern können.

Bekannt wurde der Fall im Zuge einer Gerichtsverhandlung. Der Pflegevater hatte seine Pflegetöchter missbraucht. Zeugen sagten aus, das Jugendamt hätte das längst ahnen können. Jetzt haben Grüne und SPD im Kreistag beantragt, das Geschehen lückenlos aufzuklären. Alle Fraktionen stimmten zu.

Experten von außen sollen aufarbeiten

Ein Expertenteam von außerhalb soll helfen, den Fall aufzuarbeiten. Der Kreistag hat verschiedene Ideen ausgetauscht, wie man Missbrauch in Pflegefamilien in Zukunft verhindern kann. Es wurde unter anderem vorgeschlagen, dem Jugendamt mehr Personal zur Verfügung zu stellen - beispielsweise mehr Psychologen. Der Jugendhilfeausschuss hat angekündigt, dass er in Zukunft enger mit dem Jugendamt zusammenarbeiten möchte.

Schlichtungsstellen ausbauen

Außerdem sollen Schlichtungsstellen ausgebaut und bekannter gemacht werden, damit mögliche Hinweise für Missbrauch in Zukunft früher erkannt werden. Der Kreistag schien im Großen und Ganzen hinter dem Jugendamt zu stehen und zeigte auch Verständnis für dessen schwierige Situation. Einige haben sich z.B. auch bei den Mitarbeitern für ihre Arbeit bedankt. Die Mitglieder des Kreistags fanden teilweise die mediale Berichterstattung problematisch und reißerisch. Ein Abgeordneter meinte: "Fehler können passieren und man muss Fehler auch zugeben dürfen".

Weitere Sondersitzungen geplant

Tübingens Landrat Walter hat weitere Sondersitzungen mit dem Jugendhilfeausschuss angekündigt. Am Ende will man die Ergebnisse vorstellen. Der Kreistag überlegt, den zwei Pflegetöchtern eine Entschuldigung zu schreiben und ihnen Unterstützung anzubieten.

Der Pflegevater aus dem Steinlachtal hat seine beiden Pflegetöchter über Jahre sexuell missbraucht. Er wurde vorletzte Woche zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

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