Transparent hängt zwischen zwei Bäumen und warnt die Besucherinnen und Besucher. (Foto: SWR, Sissy Hertneck )

Platz schaffen für nachwachsende Bäume

Krabbenwald in Waldachtal wegen Pflegearbeiten gesperrt

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Der Krabbenwald in Waldachtal (Kreis Freudenstadt) ist wegen Waldpflegearbeiten mehrere Wochen gesperrt. Wer dort spazieren geht, sollte aufpassen: Vorsicht Lebensgefahr!

Die Wege sind matschig und von schwerem Waldgerät durchzogen. Überall liegen Äste und Baumstämme. Noch ein lautes "Achtung", dann fällt der nächste Baum. Im Krabbenwald werden es bis Weihnachten rund 400 Bäume weniger sein. Das habe wichtige Gründe, sagt Revierleiter Ferdinand Schorpp. Im Wald müsse Platz für die nachwachsende Generation Bäume geschaffen werden.

Durchforstung als Pflege

Der Krabbenwald zwischen Lützenhardt und Cresbach (Kreis Freudenstadt) erfüllt wie andere Wälder verschiedene Funktionen. Er dient zum einen als Naherholungsgebiet aber auch als Lieferant von Sauerstoff und Bauholz. Damit der Wald diesen Aufgaben auch in Zukunft nachkommen kann, ist eine sogenannte Durchforstung notwendig. Dabei werden einzelne Bäume gefällt, um so die optimalen Wachstumsbedinungen für die jungen Bäume zu schaffen. "Die nachwachsende Generation steht schon in den Startlöchern. Sie brauchen jetzt genug Licht und Luft, um zu wachsen", erklärt Ferdinand Schorpp. 

Im Krabbenwald fällt das Licht durch die hochgewachsenen Bäume. (Foto: SWR, Sissy Hertneck)
Im Krabbenwald fällt das Licht durch die hochgewachsenen Bäume. Sissy Hertneck

Einzelbaumnutzung ist nicht gleich Rodung

Dass im Krabbenwald Bäume gefällt werden, könne nicht mit einer Rodung gleichgesetzt werden. Bei der sogenannten Einzelbaumnutzung werden nur vereinzelt Bäume herausgegriffen und geerntet. Die Bäume, die gefällt werden, werden im Vorhinein ausgesucht und markiert. Trotzdem werden nicht nur alte und kranke Bäume gefällt. Auch gesunde Bäume werden geerntet.

"Viele Waldbesucherinnen und Waldbesucher verstehen nicht, dass auch in einem Wald, ähnlich wie in der Landwirtschaft, ein Wachstumskreislauf entsteht und die ältere Generation Bäume irgendwann abgetragen werden muss."

Herausforderungen bei der Organisation

Bevor der erste Baum gefällt wurde, musste im Krabbenwald viel organisatorische Vorarbeit geleistet werden. Ein Teil des Waldes ist in Privatbesitz. 15 Personen teilen den Gemeinschaftswald unter sich auf. Alle, denen ein Stück Wald gehört, mussten der Durchforstung zustimmen. Normalerweise stehen die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer allein vor der Herausforderung, ihr Waldstück zu pflegen. Vor allem durch die meist kleinen Parzellen ist eine eigenständige Bewirtschaftung und Pflege jedoch schwierig. Die Holzernte übernimmt im Zug der Gemeinschaftsdurchforstung deshalb ein Holzunternehmen aus der Region.

Verschiedene Personen stehen um eine Fichte und begutachten sie. (Foto: SWR, Sissy Hertneck)
Nicht nur im Krabbenwald werden aktuell Pflegemaßnahmen durchgeführt. Sissy Hertneck

Holz bleibt in der Region

Auch nach der Ernte wird das Holz im Umkreis von 150 Kilometer weiterverarbeitet. "Aufgrund des aktuellen Holzpreises ist dieses Jahr wieder ein gutes Jahr, im Vergleich zu den vielen sauren Jahren zuvor", sagt Susanne Kaulfuß, Leiterin des Kreisforstamts Freudenstadt. Das erwirtschaftete Geld wird allen Waldbesitzern zugeteilt. Sie ergänzt, dass die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer viel in den Wald investieren, bevor das Holz geerntet wird – auch für die Bevölkerung, die den Wald als Naherholungsgebiet nutzt.

Die geernteten Holzstämme liegen am Wegrand. (Foto: SWR, Sissy Hertneck)
Die geernteten Holzstämme liegen am Wegrand und werden regional weiterverarbeitet. Sissy Hertneck

Achtung, Lebensgefahr!

Während der Baumernte können immer wieder Äste herunterstürzen oder die beiden Achtungsrufe werden rechtzeitig wahrgenommen. Deshalb herrscht Lebensgefahr im Wald. Sperrbänder und Warnschilder sollten unbedingt beachtet werden, so Kaulfuß. Spätestens im Frühjahr werden die verschiedenen Waldabschnitte im Krabbenwald dann wieder freigegeben und die Wege in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt.  

Waldpflegearbeiten derzeit auch in anderen Wäldern

"Die Zeit zwischen September und Januar ist die beste Zeit für die Durchforstung, da hier die Bäume nicht mehr im Saft stehen und so größerer Schaden an anderen Bäumen vermieden werden kann“, Lena Rentschler. Sie begleitet die Arbeiten im Krabbenwald und absolviert ein Trainee-Programm im Forstamt Freudenstadt. Deshalb ist auch in anderen Wäldern, egal ob Privat- oder Gemeinschaftswald, Vorsicht geboten. Eine Durchforstung findet zwar nur alle 5-6 Jahre statt, dennoch werden für die Pflegearbeiten jedes Jahr andere Waldabschnitte festgelegt. 

Hohe Fichten stehen im Krabbenwald. (Foto: SWR, Sissy Hertneck)
Im Krabbenwald in Waldachtal sind die Bäume teilweise schon hoch gewachsen. Sissy Hertneck

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