Dom Sankt Martin in Rottenburg  (Foto: dpa Bildfunk, Daniel Naupold)

Für mehr Gleichberechtigung in der katholischen Kirche

Konzilstag in Rottenburg fordert Reformen in der Kirche

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Ingemar Koerner

Ein sogenanntes "Konzil von unten" hat in Rottenburg (Kreis Tübingen) Reformen in der katholischen Kirche gefordert. Organisator war unter anderem die Initiative pro concilio.

Das "Konzil von unten" hat auf seinem Konzilstag am Samstag in Rottenburg (Kreis Tübingen) sieben zentrale Themen ausgemacht, erklärt Wolfgang Kramer, Sprecher der Initiative pro concilio. Als wichtigsten Inhaltspunkt nennt Kramer die "Frauenfrage": Für die Reformer sei klar, dass hier besonders viel Handlungsbedarf bestehe. Frauen sollten Gleichberechtigung erlangen und wie Männer Weiheämter ausüben dürfen. Andernfalls würden sie der katholischen Kirche den Rücken kehren.

Noch mehr Kirchenaustritte

Die katholische Kirche befinde sich in der größten Krise seit der Reformation, erklärt Kramer. Der Reformstau müsse aufgelöst werden, sonst müsse sich die Kirche auf noch mehr Kirchenaustritte einstellen: "Wenn sich innerhalb des nächsten Jahres nicht deutlich etwas ändert, dann werden nicht nur 250.000 austreten, sondern 500.000 oder noch mehr."

"Rottenburger Manifest" an Bischof übergeben

Nach Vorträgen und Diskussionen verfasste das "Konzil von unten" ein sogenanntes "Rottenburger Manifest". Dieses wurde laut Kramer dem Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, persönlich übergeben. Doch nicht nur Bischof Fürst bekommt ein Exemplar. Die Organisatoren wollen das Manifest per Post an alle deutschen Bischöfe schicken.

"Wir richten unser Manifest auch nach Rom. Selbst der Papst wird unser Manifest bekommen. Wir haben schon die Adresse eingeholt."

Außenfassade der Diözese Rottenburg-Stuttgart (Foto: picture alliance / dpa /Marijan Murat)
Das "Konzil von unten" fordert von der Diözese Rottenburg-Stuttgart Reformen. picture alliance / dpa /Marijan Murat

Gläubige "umarmen" den Dom in Rottenburg

Am Konzilstag "umarmten" die Gläubigen den Rottenburger Dom St. Martin gemeinsam. Dafür bildeten sie eine Menschenkette komplett um die Kirche herum. Wolfgang Kramer sieht darin zwei Aspekte: "Einmal als Zeichen: Der gehört auch uns, nicht nur dem Bischof. Aber auch: Wir stehen immer noch zur Kirche." Denn mit ihren Reformen wollen die Organisatoren dafür sorgen, dass die katholische Kirche auch in Zukunft besteht. Nach der symbolischen Umarmung feierten die Reformer im Dom Gottesdienst.

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