Fahne des Kriegervereins ehemaliger China- und Afrikafreiwilliger Tübingen und Umgebung, 1912, Seide (Foto: Stadtarchiv Tübingen)

Stadtmuseum arbeitet an Ausstellung

Spuren des Kolonialismus in Tübingen

STAND
AUTOR/IN
Bertram Schwarz
ONLINEFASSUNG
Bernhard Kirschner
Kirschner (Foto: SWR, SWR - Foto: Peschel)

Das Stadtmuseum plant eine Ausstellung über Spuren des Kolonialismus in Tübingen. Wer noch Gegenstände oder Postkarten zu Hause hat, kann sie vorbeibringen.

Das Stadtmuseum in Tübingen bittet derzeit darum, Fotografien, Postkarten und Gegenstände aus den ehemaligen deutschen Kolonialgebieten zu bringen. Sie sollen in einer Dauerausstellung Platz finden, wenn die Besitzer das möglich machen können. Denn bis zum Ende des Ersten Weltkrieges hatte auch Deutschland Kolonien, zum Beispiel in Afrika. In der Hochzeit des Imperialismus ging es um neue Rohstoffquellen und machtpolitischen Nutzen bei gleichzeitiger Unterdrückung und Ausbeutung der Menschen. Auch Bürger aus Tübingen waren in den besetzten Gebieten im Einsatz und brachten Erinnerungsstücke mit.

Der aus Tübingen stammende Samuel Walter und seine Schulklasse in Togo, 1894. Das Tübinger Stadtmuseum ruft 2022 dazu auf, Fotografien, Postkarten und Gegenstände aus den ehemaligen deutschen Kolonialgebieten zu zeigen. (Foto: SWR, Bertram Schwarz)
Das Bild wirft einen Blick auf koloniale Zeiten in Afrika: im Kreis der Kinder steht am linken Rand Samuel Walter. Der Mann aus Tübingen war 1894 Lehrer in Togo. Bertram Schwarz Bild in Detailansicht öffnen
Kleine Reiseandenken aus vergangenen Zeiten: ein Dolch und ein Fetisch als Mitbringsel aus Togo. Der Tübinger Samuel Walter war 1894 Lehrer in dem afrikanischen Land. Bertram Schwarz Bild in Detailansicht öffnen
Das Blechschild mit der Aufschrift "Schakal Canis anthus Afrika" stammt aus einem ehemaligen Zoo am Spitzberg in Tübingen. Der war Ende des 19. Jahrhunderts eine Kuriosität im Land. Bertram Schwarz Bild in Detailansicht öffnen
Bilder aus dem Fotoalbum von Samuel Walter aus der Zeit, als er als Lehrer in Togo 1894 unterrichtete. Sein Enkel hat diese raren Einblicke aus dem afrikanischen Dorfleben dem Tübinger Stadtmuseums zur Verfügung gestellt. Bertram Schwarz Bild in Detailansicht öffnen

Urgroßvater unterrichtete in Afrika

So wurde auch Samuel Walter 1895 von der Reichsregierung nach Togo geschickt um zu unterrichten. Sein Ur-Enkel Helmut Walter zeigte Fotos, Schriftstücke und zwei Mitbringsel des Urgroßvaters den Mitarbeiterinnen des Stadtmuseums, die das Material sortieren: ein kleiner Dolch mit einer Umrandung aus einem Tier und ein Fetischpinsel mit kleinen Muscheln und Leder.

"Zu Hause habe ich noch ein Beil und ein Schwert in einer Scheide."

Trophäen des Kolonialismus auf Fotos mit Familienmitgliedern

Evamarie Blattner, die stellvertretende Leiterin des Stadtmuseums, hat eine weitere Spielart von Kolonialismus im Depot: ein Foto eines Fotografen aus Tübingen, entstanden vor über hundert Jahren. Darauf sind ein Tipi-Zelt, Stoßzähne und ein Löwenkopf zu sehen. In dieser "Dekoration" sind Kinder platziert. Was damals sicherlich als originell galt, löst beim heutigen Betrachter ein Unwohlsein aus.

Mehr zum Thema Kolonialismus

Baden-Württemberg

Deutschland und Nigeria einigen sich Bund will Benin-Bronzen zurückgeben: Linden-Museum in Stuttgart betroffen

Alleine im Stuttgarter Linden-Museum liegen 64 sogenannte Benin-Bronzen. Nun haben sich Deutschland und Nigeria auf die Rückgabe des kolonialen Raubgutes geeinigt.  mehr...

Neustadt an der Weinstrasse

Bezug zu Nazizeit oder Kolonialismus? Straßennamen in Neustadt auf dem Prüfstand

Die Stadt Neustadt an der Weinstraße lässt bei 150 Straßennamen prüfen, ob sie einen Bezug zum Nationalsozialismus oder zum Kolonialismus haben. Ein Institut der Uni Mainz forscht nach.  mehr...