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Weiche Klappsitze, Popcornduft und ein schöner Film. So ein Kinoabend ist in Coronazeiten nicht möglich. Die Kinos leiden unter dem Lockdown. Ein Freudenstädter Kinobetreiber sieht die ganze Branche im Umbruch.

Stefan Handel sitzt nachdenklich im großen Saal seines Kinos in Freudenstadt. Das Licht ist gedimmt, an der Wand ist ein Mond aufgemalt, der große rote Vorhang ist zugezogen. Das Kino Central und auch sein zweites Kino, die Krone Lichtspiele in Nagold, haben seit März letzten Jahres geschlossen. Zwar bekommt Handel finanzielle Hilfe vom Land, trotzdem sorgt sich der 51-Jährigen um die Zukunft.

"Kino ist eigentlich ein Großteil meines Leben bisher gewesen. Und man lebt natürlich sehr eng mit seinem Betrieb, seinen Mitarbeitern und auch seinen Gästen natürlich. Und das fehlt und das macht natürlich auch richtig traurig."

Freudenstädter Kinobetreiber Stefan Handel

Viel Geld in Kino-Umbau gesteckt

Handel macht seit fast 30 Jahren Kino. Angefangen hat er als Platzanweiser. Später kaufte er ein Kino. In Freudenstadt hat er sich schließlich einen Traum erfüllt: drei Säle für insgesamt 270 Zuschauer, alle individuell gestaltet. Dort liefen jedes Wochenende Blockbuster, vor allem Hollywood-Filme. Die Vorstellungen waren fast immer ausverkauft. Für einen Umbau hat Handel einen hohen Kredit aufgenommen. Nun befürchtet er, dass er künftig nicht mehr genug einnimmt, um die Schulden abzuzahlen.

"Kein Mensch weiß jetzt, wie die Strukturen sich verändern in unserer Branche, wie die Filmangebote in Zukunft sein werden. Manche Filmverleiher haben auch schon entschieden, dass sie ihre Filme nur noch in Streaming-Diensten zeigen werden. Das sind die Sorgen, die ich habe. Es wird schwer."

Freudenstädter Kinobetreiber Stefan Handel

Streamen statt Kino

Damit, dass Blockbuster zuerst im Kino gezeigt werden, könnte dann Schluss sein. Das ist aber eine wichtige Einnahmequelle für die Lichtspielhäuser. Große Filmverleiher wie Warner Brothers haben während Corona bereits Verträge mit Streaming-Diensten abgeschlossen, damit die Filme wenigstens auf diesem Weg geschaut werden können. Die Kinoleute befürchten, dass sich das Streamen langfristig durchsetzen wird.

Kinobetreiber Stefan Handel im Central-Kino in Freudenstadt (Foto: SWR, Sarah Beschorner)
Auch Kinobetreiber Stefan Handel muss schon lange auf Gäste verzichten Sarah Beschorner

Rottenburger Kinobetreiber optimistischer

In Rottenburg ist Kinobetreiber Elmar Bux vom Waldhorn etwas zuversichtlicher. Er glaubt, dass sein Kino überleben wird, weil er ein anderes Publikum hat. Auch Bux denkt, dass sich die Film-Branche stark verändern wird und dass einige dabei auf der Strecke bleiben. Das Waldhorn habe aber Vorteile gegenüber anderen Kinos. Laut Bux zum Beispiel ein Publikum, das es schätzt, mit anderen einen Film gemeinsam zu erleben und auch interessiert ist an Dokumentationen und Filmgesprächen, wie das Waldhorn sie anbietet.

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