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Die Wirecard-Pleite hat viele Anleger um ihr Geld gebracht. Auch die Kanzlei Tilp in Kirchentellinsfurt (Kreis Tübingen) vertritt viele. Inzwischen gibt es einen Anmeldestopp.

Die Wirecard-Pleite beschert Andreas Tilp, Chef der Kirchentellinsfurter Anwaltkanzlei, das Geschäft seines Lebens. Inzwischen wollen 17.000 Mandanten vertreten werden, so dass keine mehr angenommen werden können. Insgesamt gab es 73.000 Anfragen. Die Kanzlei hat ihr Team vergrößert und zusätzliche Rechtsanwälte sowie weitere Mitarbeiter angestellt.

Klage gegen BaFin und Ernst & Young

Federführend ist Rechtsanwalt Marvin Kewe mit dem Fall beschäftigt. Die Kanzlei hat inzwischen eine Musterklage wegen Schadenersatz gegen die Unternehmensberatungsfirma Ernst & Young sowie die Bundesaufsichtsbehörde BaFin beim Landgericht München eingereicht. Die Anleger sehen sich getäuscht, so Kewe im SWR-Interview. Sie hatten auf die positiven Wirtschaftsprüfungsergebnisse vertraut. Deswegen sieht Kewe die Firma und die Behörde in der Verantwortung.

Verfahrensdauer mindestens fünf Jahre

Das Verfahren kann sich Jahre hinziehen. Das weiß die Kanzlei aus Erfahrung mit den Klagen gegen die Telekom und wegen des Dieselskandals. Es könnte allerdings schneller gehen, weil man im Sommer bereits eine Pilotklage eingereicht habe. Dennoch geht Kewe von mindestens fünf Jahren aus.

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