Erst umstritten, jetzt am Start

Kandidat-O-Mat zur OB-Wahl in Tübingen ist online

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Ulrike Mix
Stefanie Assenheimer
Stefanie Assenheimer (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Am 23. Oktober sind in Tübingen Oberbürgermeisterwahlen. Sechs Personen wollen es werden – auch Amtsinhaber Boris Palmer. Der Kandidat-O-Mat soll bei der Wahlentscheidung helfen.

Die Landeszentrale für politische Bildung bietet in Zusammenarbeit mit dem SWR und dem Schwäbischen Tagblatt ab sofort eine Möglichkeit an, sich online über die Kandidaten und Kandidatinnen und ihre Positionen zu aktuellen Tübinger Themen zu informieren.

Rathaus von Tübingen, in das der oder die neue OB nach der Wahl einzieht – der Kandidat-O-Mat soll Wählern bei der Entscheidung helfen. (Foto: dpa Bildfunk, Franziska Kaufmann/Montage SWR)
Wer wird künftig auf dem Chefsessel im Rathaus von Tübingen sitzen? Zwei Frauen und vier Männer wollen Oberbürgermeister werden. Der Kandidat-O-Mat soll bei der Wahl-Entscheidung helfen. Franziska Kaufmann/Montage SWR

OB-Wahl: Kandidaten und Kandidatinnen stellten sich den Fragen

Das Grundprinzip ist das gleiche wie beim Wahl-O-Mat der Bundestagswahl: Es gibt beim Kandidat-O-Maten 29 Thesen oder Meinungen zu verschiedenen politischen oder gesellschaftlichen Themen.

Zum Beispiel, ob die Stadt Tübingen sich weiter für eine Verpackungssteuer einsetzen oder ob ein Fahrradtunnel zur legalen Graffiti-Sprayer-Zone werden soll. Per Klick kann der Nutzer den Thesen zustimmen, keine Meinung haben oder sie ablehnen. Genau dasselbe haben fünf der sechs OB-Kandidierenden auch gemacht.

Wenn alle Fragen beantwortet sind, zeigt der Kandidat-O-Mat an, mit wem man die meisten Übereinstimmungen hat. Zudem kann der Nutzer sehen, wie die Kandidaten und Kandidatinnen zu den einzelnen Thesen stehen.

Bei der Stuttgarter OB-Wahl gab es bereits einen Kandidat-O-Mat. Laut Landeszentrale für politische Bildung war er ein großer Erfolg: Er wurde 250.000 mal abgerufen.

Kandidat-O-Mat ist keine Wahlempfehlung

Die Landeszentrale für politische Bildung betont aber, dass der Kandidat-O-Mat keine Wahlempfehlung sei. Zum einen, weil 29 Thesen nicht die ganze Stadtpolitik abbilden können. Zum anderen, weil die Thesen in Workshops mit jungen Leuten erarbeitet wurden, also nicht alle Bevölkerungsschichten repräsentativ vertreten waren. Das ist auch beim Bundestags-Wahl-O-Mat so, weil man bewusst junge Menschen für Politik interessieren will.

Niederschwelliges Angebot für junge Menschen

Der Kandidat-O-Mat sei ein niederschwelliges Angebot, sich zu informieren und insofern vor allem für junge Menschen gedacht, sagte Michael Wehner von der Landeszentrale für politische Bildung. Eine nicht repräsentative Umfrage der Landeszentrale habe ergeben, dass die Wahlbeteiligung unter den Nutzern drei bis fünf Prozent höher ist, so Wehner.

In Tübingen waren auch Medienvertreter und Politikwissenschaftler an der Ausarbeitung der Thesen beteiligt. Gemeinsam mit den Mitarbeitern der Landeszentrale haben sie darauf geachtet, dass neben den Jugendthemen auch andere wichtige politische Themen aufgegriffen werden.

OB Palmer kritisierte Kandidat-O-Mat

Im Sommer gab es vor allem von Amtsinhaber Boris Palmer (unabhängig) Kritik am Kandidat-O-Maten. Er sagte, die Thesen seien teils inhaltlich falsch und teils schlecht formuliert. So wurde etwa gefragt, ob Tübingen dem Aktionsbündnis "Seebrücke" beitreten soll. Dort ist die Stadt aber schon seit drei Jahren Mitglied. Palmer bat darum, den Entwurf zu überarbeiten.

Landeszentrale: Kritik teilweise berechtigt

Die Direktion der Landeszentrale für politische Bildung wollte den Kandidat-O-Maten daraufhin zurückziehen. Sie sah die Kritik in Teilen als berechtigt an und meinte, es bleibe nicht genug Zeit, um den Entwurf zu überarbeiten.

Die OB-Kandidatinnen Sofie Geisel (SPD) und Ulrike Baumgärtner (Grüne) wiederum kritisierten den Rückzug. Auch sie sahen teilweise Mängel, aber deswegen müsse man nicht den ganzen Kandidat-O-Mat ablehnen, meinten sie. Nach längeren Diskussionen wurde der Kandidat-O-Mat überarbeitet und ist jetzt online.

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