Zollernalb Klinikum (Foto: Pressestelle, Zollernalb Klinikum)

Verschärfte Lage von Calw bis zum Zollernalb Klinikum

Volle Intensivstationen, abgestufte Triage und verschobene Operationen

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Die Intensivstationen der Krankenhäuser in der Region füllen sich mit Covid-19 Patienten. Planbare Operationen werden verschoben. Unter anderem auch im Klinikum Zollernalb.

Das Zollernalb Klinikum verzeichnet einen deutlichen Anstieg an Covid-19 Patienten. Insgesamt 63 Patientinnen und Patienten (Stand 30.11.) befinden sich in stationärer Behandlung, davon werden elf Personen intensivmedizinisch behandelt werden, teilt das Klinikum mit. Aus diesem Grund müssten geplante Operationen, Eingriffe und Behandlungen ab sofort verschoben werden. Allerdings nur, wenn die Patienten dadurch keine Beeinträchtigungen hätten, heißt es.

"Die Verschiebung gilt ausdrücklich nicht für Notfälle."

Die Patienten würden rechtzeitig von der entsprechenden Abteilung kontaktiert werden.

Oberstes Ziel: Patientenversorgung garantieren

Es werde sehr darauf geachtet, dass kein medizinischer Nachteil für sie entstehe, so der Vorsitzende Geschäftsführer des Klinikums Gerhard Hinger. Oberstes Ziel sei die Patientenversorgung aufrecht zu halten. Dazu gehöre neben der personalintensiven Betreuung der Covid-Patienten auch die Notfallversorgung und die Behandlung von zeitkritischen Erkrankungen, wie beispielsweise Herzinfarkt, Schlaganfall und Unfälle, so Hinger vom Zollernalb Klinikum.

Das Zollernalb Klinikum bittet alle Betroffenen um Verständnis.

Kein freies Intensivbett mehr im Kreis Tuttlingen

Auch im Kreis Tuttlingen muss ein Viertel aller planbaren Operationen in den Krankenhäusern verschoben werden, so Tuttlingens Landrat Stefan Bär auf einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag. Im Landkreis sei kein einziges Intensivbett mehr frei. Positiv sei, dass sich immer mehr impfen lassen. Um die Welle zu brechen reichten Impfungen alleine aber nicht aus, so Landrat Bär. Er appelliert daher an alle, Kontakte zu beschränken und die Hygiene-Regeln einzuhalten. Der Kreis Tuttlingen hat zur Zeit landesweit die höchste Sieben-Tage-Inzidenz.

Klinikum Südwest: "Tumor-Operationen tageweise verschoben"

Auf den Intensivstationen des Klinikverbunds Südwest werden aktuell knapp 100 Covid-19-Patienten stationär behandelt, davon 22 auf den Intensivstationen. 20 der Intensivpatienten werden beatmet, 16 von ihnen sind ungeimpft. Im Landkreis Calw ist bereits kein Intensivbett mehr frei. Rund die Hälfte der Patienten sind hier schwer an Covid-19 erkrankt. Die Tendenz ist weiter steigend.

"Zur Bewältigung fahren wir seit Wochen bei den Operations-Programmen extrem reduziert und täglich auf Sicht."

Zeitlich unaufschiebbare Operationen, wie Notfall- oder auch Tumor-Operationen, fänden natürlich statt. "Letztere werden allerdings zum Leidwesen der Patienten auch oftmals tageweise verschoben", erklärt ein Sprecher des Klinikums Südwest konsterniert.

Abgestufte Triage findet seit Wochen bundesweit statt

Zwar würde eine Triage in dem Sinne, dass gar keine Behandlung stattfinden würde, in Deutschland nicht stattfinden und sei auch hoffentlich nicht zu befürchten, erläutert der Sprecher weiter. Es sei daher zu differenzieren:

"Eine abgestufte Triage im Hinblick auf qualitative Abstufungen in der Behandlung findet seit Wochen tagtäglich bereits bundesweit statt."

In der Realität sieht das dann wie folgt aus: Notfallpatienten müssten vermehrt Zeit im Rettungswagen verbringen und der Notarzt nach noch freien Kliniken suchen. Auch sei eine frühe Rückverlegung der Erkrankten von Intensiv- auf Normalstationen für die Belegschaft extrem fordernd. Covid-19-Patienten, die spezialisierte Maschinen zur Unterstützung der Lunge benötigten, sogenannte ECMO-Einheiten, müssten mit einer verzögerten Verlegung rechnen. Laut des Klinikverbunds Südwest werden diese speziellen Maschinen mittlerweile auch schon bundesweit knapp.

Patientenverlegungen sind die Regel

Verlegungen finden bereits regelmäßig statt, zunächst innerhalb des Verbundes, ansonsten regulär in definierten Clustern. Allerdings seien die Kliniken im gesamten Stuttgarter und Karlsruher Raum ebenfalls stark belastet, so der Sprecher.

"Es dauert oftmals Stunden, geeignete Intensivkapazitäten zu finden."  

Die bisherigen Datenerhebungen des Klinikverbunds Südwest haben außerdem ergeben, dass das Durchschnittsalter der rund 300 Patientinnen und Patienten seit Oktober bei den Geimpften bei 71 Jahren liegt, bei Ungeimpften bei 57. Fast Dreiviertel aller ungeimpften Covid-19-Patienten, die intensivpflichtig wurden, sind seit Anfang Oktober verstorben. Bei den Geimpften liegt die Mortalität bei 27 %.

Ministerium plant Verlegungen ins Ausland

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