Vertreter der IG Metall, des Betriebsrats der Walter AG und Kommunalpolitiker. (Foto: SWR, Anna Priese)

IG Metall lädt Politiker zu Treffen ein

Geplanter Stellenabbau bei der Walter AG in Tübingen

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Die Walter AG aus Tübingen will über 100 Mitarbeitende entlassen. Ein Großteil der Produktion soll nach China verlegt werden. Gewerkschaft und Politiker sind besorgt.

Walter sei der größte gewerbliche Arbeitgeber der Stadt Tübingen, so Oberbürgermeister Boris Palmer bei dem Treffen. Es habe ihn besorgt zu erfahren, dass möglicherweise der Produktionsstandort an sich in Gefahr sein könnte. Das befürchten die IG Metall und der Betriebsrat der Walter AG. Palmer und der SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Rosemann hatten sich bei dem Treffen bereit erklärt, an möglichen weiteren Verhandlungen teilzunehmen. Der Gewerkschaftssekretär der IG Metall Reutlingen-Tübingen, Ralf Jaster, sagte nach dem Treffen, er sei geradezu überwältigt. Das Echo aus der Politik sei sehr groß gewesen.

Arbeitgeber hatte Verhandlungen als gescheitert erklärt

Am 20. Januar dieses Jahres habe der Arbeitgeber die Verhandlungen für gescheitert erklärt, so Jaster. Diese seien sehr schwierig gewesen.

"Es war kein Mitglied des Vorstands der Walter AG jemals anwesend, sondern nur delegierte Vertreter. Das finden wir sehr bedauerlich."

Gedrückte Stimmung im Betrieb

Der Betriebsratsvorsitzende Tobias Arndt beschrieb die Stimmung in der Firma als sehr gedrückt. Alle Mitarbeitenden, auch diejenigen, die nicht von den Kündigungen betroffen wären, schauten derzeit mit Argusaugen auf das Geschehen. Man sorge sich darum, wohin das künftig noch führen werde, so Arndt. Die IG Metall und der Betriebsrat hatten versucht dem Arbeitgeber ein Alternativkonzept vorzuschlagen, mit dem der Produktionsstandort nach eigener Auffassung nachhaltig gesichert wäre. Darauf sei von Arbeitsgeberseite allerdings kaum eingegangen worden.

Kündigungen trotz guter wirtschaftlicher Situation

Ralf Jaster von der IG Metall kritisierte insbesondere die Forderung der Walter AG nach einer sogenannten Namensliste. Mit dieser könnte der Arbeitgeber quasi frei auswählen, wem er kündigt, so Jaster. Das könnte zur Folge haben, dass Kriterien wie das Lebensalter, die Dauer der Betriebszugehörigkeit, ein Schwerbehindertenstatus oder eine Unterhaltspflicht nicht mehr berücksichtigt würden. Allerdings müsste der Betriebsrat einer solchen Namensliste zustimmen. Dem hatte sich dieser aber verweigert. Zudem würden Unternehmen die Auslagerung von Produktionsprozessen normalerweise aus einer wirtschaftlichen Notlage heraus in Betracht ziehen. Das sei bei der Walter AG jedoch nicht der Fall. Dem Unternehmen gehe es sehr gut, wie Jaster betonte. Die IG Metall und der Betriebsrat hoffen, dass die Verhandlungen wieder aufgenommen werden.

Tübingen

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