20 Jahre Hospiz Veronika, Eningen unter der Achalm (Foto: SWR, Magdalena Knöller)

Mit 20 Jahren eines der ältesten Hospize in BW

2.000 Menschen im Hospiz in Eningen unter Achalm beim Sterben begleitet

STAND
AUTOR/IN
Magdalena Knöller

20 Jahre "Hospiz Veronika" in Eningen unter Achalm bei Reutlingen sind Grund zum Feiern – auch wenn oder gerade wenn es um Menschen geht, deren Leben zu Ende geht.

Das Hospiz Veronika gehört zu den ältesten Hospizen in Baden-Württemberg. Es wurde im Jahr 2002 eröffnet, nachdem es bis dahin nur eine ambulante Hospizversorgung für sterbenskranke Menschen im Kreis Reutlingen gegeben hatte. In den vergangenen 20 Jahren wurden dort rund 2.000 Menschen bis zu ihrem Tod gepflegt und begleitet. Für Leiter Andreas Herpich ist ein Hospiz ein Lebens- und ein Lebenslernort.

"Es ist faszinierend zu sehen, wie manche Menschen hier im Hospiz nochmal ganz neue Facetten leben. Deshalb: Jeder Tag und jede Stunde im Hospiz lohnt es sich, mit viel Engagement zu gestalten."

20 Jahre Hospiz Veronika, Hospizleiter Andreas Herpich (Foto: SWR, Magdalena Knöller)
Andreas Herpich leitet seit vier Jahren das Hospiz Veronika in Eningen unter Achalm bei Reutlingen. Magdalena Knöller

Hospiz wird nach 20 Jahren renoviert

Das Hospiz Veronika liegt im vierten Obergeschoss des Seniorenzentrums St. Elisabeth in Eningen unter Achalm. Träger von beiden ist die Keppler-Stiftung . Die acht Hospizplätze werden zu 95 Prozent von den jeweiligen Krankenkassen der "Gäste", wie die Bewohner eines Hospizes genannt werden, bezahlt. Der Rest wird über Spenden finanziert. Gerade wird renoviert. Die Räume sind nach 20 Jahren in die Jahre gekommen.

Klänge und Düfte gegen Schmerzen und Baulärm

Bei dem Baulärm tun die Klänge von Musikerin und Musiktherapeutin Judith Bomheuer-Kuschel besonders gut. Sie ist zweimal die Woche im Hospiz und belebt das Haus musikalisch. Dann spielt sie zum Beispiel auf der Harfe, die eine Hospiz-Bewohnerin dem Haus vermacht hat. Immer mal wieder komme dann ein Gast oder ein Pfleger vorbei und singe mit, erzählt Judith Bomheuer-Kuschel. Auch Düfte kommen im Hospiz Veronika zum Einsatz – zum Beispiel als Aromatherapien. Es ist unglaublich, was Düfte an Gefühlen und Atmosphäre erzeugen können, sagt Leiter Andreas Herpich.  

20 Jahre Hospiz Veronika (Foto: SWR, Magdalena Knöller)
Judith Bomheuer-Kuschel spielt als erstes, wenn sie im Haus ankommt, die Harfe auf dem Gang. Da kommen oft Pfleger oder Bewohnerinnen dazu, manche singen auch mit, sagte sie dem SWR. Magdalena Knöller

20 Ehrenamtliche im Hospiz aktiv

In der Wohnküche läuft die Kaffeemaschine. Hier können sich die Gäste und ihre Angehörigen, die zu Besuch sind, bedienen. Essen wird von Ehrenamtlichen ins Zimmer gebracht. Barbara Haas ist eine von ihnen. Sie ist von Anfang an dabei und hat sich beim Ambulanten Hospizdienst Reutlingen schon in den 1990-er Jahren als Ehrenamtliche für die Arbeit mit Sterbenden aus- und fortgebildet. Rund 20 Ehrenamtliche stehen im Schichtplan und sorgen mit für eine heimelige Atmosphäre. Sie bringen zum Beispiel frische Blumen aus dem Garten mit oder haben Zeit für ein Gespräch.

22 Pflegerinnen und Pfleger im Hospiz

Die Pflege und Therapien übernehmen Pflegerinnen und Pfleger. 22 Pflegekräfte – vorwiegend in Teilzeit – sind derzeit im Hospiz Veronika angestellt. Sie kümmern sich um Gäste wie Uwe Rogg. Er ist unheilbar an Krebs erkrankt, hat mehrere Chemotherapien hinter sich. Jetzt will er keine mehr. "Lieber noch Kraft haben für Kunst und Fotografie", so sein Lebensmotto. In seinem Zimmer mit Balkon und schönem Blick auf die Schwäbische Alb hängen viele Fotografien und Gemälde an den Wänden: alles seine Werke.

20 Jahre Hospiz Veronika in Eningen (Foto: SWR, Magdalena Knöller)
Seine vier Wände im Hospiz mit eigenen Gemälden und Fotografien an den Wänden und einem Balkon mit schönem Blick auf die Schwäbische Alb zeigt Uwe Rogg gern. Ein Bild von sich möchte er nicht im Internet haben. Magdalena Knöller

"Ich habe mal den Satz geprägt: Und wüsste ich, dass ich morgen stürbe, ich würde mir heute noch einen neue Kamera kaufen. Das habe ich dann vor zwei Wochen auch getan. Das nehme ich schon noch wahr und das soll auch so bleiben - bis zuletzt, bis ich umfalle."

Sterben selbst organisieren

Uwe Rogg lebt seit Mai im Hospiz Veronika. Er wollte sein Sterben selbst organisieren. Die aufwändige Pflege und Medikamentierung sei für ihn und seine Familie zu Hause nicht zu realisieren und zu bewältigen. Dass in einem Hospiz mit Krankheiten, Schmerzen und dem nahenden Tod umgegangen werden kann, – und zwar gelassen –sei zentral, sagt Leiter Andreas Herpich. Er will das Eninger Hospiz als eines der ältesten in Baden-Württemberg weiterentwickeln und offener machen. Am 30. September soll es eine Feier im Hospiz Veronika und am 1. Oktober einen Tag der offenen Tür geben, bei dem jede und jeder willkommen ist.

Mehr zum Thema

Tübingen

Ab Ende Oktober die ersten Gäste Tübinger Hospiz eröffnet nach 16 Monaten Bauzeit

Das Tübinger Hospiz ist fertig gebaut. Der Träger, das Deutsche Institut für Ärztliche Mission (Difäm), eröffnet das Haus am 3. Oktober mit einem Tag der offenen Tür.  mehr...

Gesellschaft Hospizarbeit in Deutschland – Sterbende begleiten, den Tod sichtbar machen

Viele Menschen möchten gerne zu Hause sterben. Die Ehrenamtlichen in der deutschen Hospizbewegung wollen ihnen das ermöglichen. Doch die Bewegung ist jung und ihr fehlt Nachwuchs.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

Leben Lieder des Lebens - Musikalische Erinnerungen

Welche Musik war in welcher Lebensphase wichtig und warum? Wie sind mit Musik besondere Erlebnisse verbunden? Eine 87-jährige Dame und ein 82-jähriger Herr erinnern sich.  mehr...

SWR2 Leben SWR2

STAND
AUTOR/IN
Magdalena Knöller