Gemeinderat will dunkle Geschichte aufarbeiten

Horb bekommt Mahnmal zur Hexenverfolgung

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AUTOR/IN
Peter Binder

Historische Quellen belegen, dass mindestens 125 Menschen in Horb (Kreis Freudenstadt) einst der Hexerei bezichtigt wurden. Die meisten waren Frauen. Viele wurden hingerichtet.

Die Schreie derer, die in den Verliesen und Folterkellern gequält wurden, waren bis auf den Horber Marktplatz zu hören. So steht es in Berichten aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Visualisierung, Collage des geplanten Mahnmals auf einer Wiese am Waldrand bei Horb am Neckar (Foto: Stadt Horb am Neckar)
Noch ist es nur eine Montage. Aber so soll das von der Horber Kulturbeauftragten Agnes Maier entworfene Mahnmal auf dem Galgenberg aussehen. Stadt Horb am Neckar

Mahnmal auf dem Galgenberg

Der Gemeinderat der Stadt Horb hat beschlossen, mit einem Mahnmal an das Unrecht zu erinnern. Es soll in Horb auf dem Galgenberg stehen. Denn das ist der Ort, an dem viele der Frauen und Männer damals hingerichtet wurden, die für Hexen gehalten wurden.

Darum soll das Mahnmal so aussehen

Das Denkmal wird aus drei rostigen Stahldreiecken bestehen. Sie sollen an das Schwert der Henker und an die Flammen des Scheiterhaufens erinnern. Entworfen hat es die Horber Kulturbeauftragte Agnes Maier.

Resolution auf den Flammen

Auf den Dreiecken wird die gekürzte Fassung einer Resolution zu lesen sein, die der Horber Gemeinderat bereits 2019 verabschiedete. Darin verurteilten die Räte in Erinnerung an die unschuldigen Opfer der Hexenverfolgung jegliche Form von körperlicher und psychologischer Gewalt, Intoleranz, Diskriminierung, Unterdrückung und Rassismus.

"Wir wollen aus der Geschichte lernen und gewonnene Erkenntnisse an nachfolgende Generationen weitergeben, um Gegenwart und Zukunft gemeinsam zum Guten zu gestalten."

Text mit Zeichnung, wie sie auf einer Tafel am Hexengefängnis im Bürgerturm in Horb am Neckar als Teil der Digitalen Entdeckertour zu sehen sind. (Foto: Stadt Horb am Neckar)
Diese Tafel über das "Hexengefängnis im Bürgerturm" soll bald am Bürgerturm Sommerhalde über die Folter informieren, mit der man Frauen und Männer im 16. und 17. Jahrhundert zu den absurdesten Geständnissen bewegte. Stadt Horb am Neckar

Schautafeln und Online-Stadtführung

Zusätzlich zum Mahnmal auf dem Galgenberg werden an den wichtigsten Schauplätzen der Hexenverfolgung Schautafeln angebracht: zum Beispiel auf dem Horber Marktplatz, an dem die Prozesse abgehalten wurden, oder am Sommerhaldenturm als wahrscheinlichem Hexengefängnis.

Gemeinderat einstimmig dafür: Im Sommer geht es los

Außerdem wird es eine Stadtführung für Smartphones mit dem Titel "Hexenverfolgung in Horb" geben. Alles zusammen wird die Stadt Horb voraussichtlich bis zu 22.500 Euro kosten. Der Gemeinderat hat sich einstimmig für das Konzept ausgesprochen. Bereits im Sommer soll alles fertig sein.

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