Außenansicht eines Holzhauses im Wald im Winter, Januar 2022. An der Fassade ist die Aufschrift Forsthof Metzingen zu sehen. (Foto: SWR, Anne Schmidt)

Am helllichten Tag abtransportiert

Zwei Metzinger Waldbesitzer ärgern sich über Holzdiebstahl

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In Zeiten steigender Energiepreise scheint der Rohstoff Holz sehr begehrt zu sein. Zwei Holzbesitzer wurden bestohlen. Ihr Holz wollen sie künftig nicht mehr im Wald lagern.

Das Holz wurde kurz vor Weihnachten gestohlen, in einem Waldstück nahe der B28 bei Metzingen (Kreis Reutlingen). Am Wegesrand liegen noch Sägespähne auf dem schlammigen Boden. Auch Abdrücke von gelagertem Holz sind noch zu sehen. Auf einer Länge von 15 Metern lag hier das Holz von Martin Benner aus Reutlingen-Sondelfingen. Eineinhalb Meter hoch war sein Stapel mit selbst gespaltenem Brennholz. Er hat jetzt nicht nur einen finanziellen Schaden von mehreren Hundert Euro – auch 20 Stunden harte körperliche Arbeit waren umsonst.

Holzdieb wurde bei Tat gesehen

Der Waldbesitzer ärgert sich: Ein Augenzeuge vom angrenzenden Tannenhof hat den Dieb sogar gesehen. Er kam am helllichten Tag mit einem grünen VW-Bus samt Anhänger in den Wald gefahren, um die Holzscheite in aller Ruhe aufzuladen, berichtet Benner. Der Tannenhofbesitzer hat sich nicht weiter darum gekümmert, weil er dachte, es seien die Benners, die ihr Holz holen.

Begehrter Rohstoff Holz

Seit 30 Jahren schlägt Martin Benner Brennholz im Metzinger Forst. Und schon einmal wurde ihm an einer anderen Stelle Holz geklaut. Aber nicht in dieser Menge. Dieses Mal erstattete Benner Anzeige gegen Unbekannt und machte sich selbst in der Umgebung auf die Suche nach dem grünen VW Bus. Er hat den Eindruck, dass wegen des gestiegenen Holzpreises mehr Holz gestohlen wird.

Für Förster Holzdiebstahl immer wieder Thema

Der Metzinger Forstamtsleiter Jürgen Dufner kann auf Anfrage des SWR allerdings nicht bestätigen, dass Holzdiebstahl zugenommen hat. Das Phänomen gebe es schon immer, so Dufner. Entscheidend sei der Lagerort: Je günstiger das Holz erreichbar sei und je näher am Weg, desto schneller komme es weg. Geklaut werde das Holz auch dann, wenn es zu lange liegt. Oft diene der Wald als Lager, obwohl jeder Holzbesitzer laut Vorgabe des Kreisforstamtes sein Holz zum Jahresende wegschaffen muss, so Dufner. Daran habe sich Martin Benner nicht gehalten.

Martin Jahraus links und Martin Benner rechts stehen im Wald bei Metzingen auf einem mit Laub bedeckten Weg vor einer Hinweistafel mit der Bitte um Hinweise auf einen Holzdieb. (Foto: SWR, Anne Schmidt)
Martin Jahraus (li) und Martin Benner im Metzinger Forst Anne Schmidt

Auch wertvolle Eichenholzstämme

Martin Benner will sein Holz künftig nicht mehr im Wald lagern. Martin Jahraus aus Sondelfingen ist ein Leidensgenosse Benners. Ihm wurden wertvolle Eichenholzstämme im Wert von mehreren hundert Euro gestohlen - aus dem Waldstück gegenüber. Nachdem er bemerkt hatte, dass die Stämme zersägt und umgelagert wurden, setzte er sich mehrere Tage auf die Lauer, um dem Dieb auf die Schliche zu kommen. Auf der Rückfahrt hatte er einen schweren Fahrradunfall. Als er Wochen später aus dem Krankenhaus kam, war sein Holz abtransportiert.

Wie Holzklau vermeiden?

Eine Kamera zur Überwachung darf man im Wald aus Datenschutzgründen nicht ohne Weiteres installieren. Die müsste mit einem Hinweisschild kenntlich gemacht werden, so der Metzinger Forstamtsleiter Jürgen Dufner. Holzbesitzer Martin Jahraus wünscht sich, dass Spaziergänger und Jogger aufmerksamer durch den Wald gehen. Und vielleicht auch mal ein Autokennzeichen abfotografieren oder die Leute, die Holz aufladen, direkt ansprechen. Wird ein Dieb beim Holzklau erwischt, muss er mit einer saftigen Geldstrafe rechnen.

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