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Mühlheim an der Donau (Kreis Tuttlingen) hat am Wochenende einen Sieben-Tage-Inzidenz-Wert von über 900 gemeldet. Die hohe Infektionsrate geht wohl auf eine Wandergruppe zurück.

Mittlerweile liegt die Inzidenz bei rund 500 und die Lage entspanne sich wieder, so der Mühlheimer Bürgermeister Jörg Kaltenbach (CDU). Alle Corona-Neuinfektionen stünden im Zusammenhang mit einem Ereignis Mitte Januar. 14 Männer und Frauen waren damals zu einem Wanderausflug aufgebrochen. Anschließend hatten sie sich noch in einer privaten Hütte getroffen.

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Verstoß gegen Infektionsschutzgesetz

Die Wanderer stammen aus zehn Haushalten und haben sich gegenseitig angesteckt - niemand aus der Gruppe habe sich an die Corona-Regeln gehalten, so der Mühlheimer Bürgermeister. Positiv getestete Teilnehmer sollen zudem ihre Quarantäne gebrochen und dann auf der Arbeit weitere Menschen angesteckt haben. Die Polizei Konstanz ermittelt wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz.

Das müsse hart bestraft werden, so Bürgermeister Kaltenbach. "Da gibt es eine klare Erwartungshaltung von mir persönlich und, denke ich, von allen Bürgern meiner Stadt, dass man hier sich im allerobersten Rahmen bewegt, dass es weh tun muss", sagte Kaltenbach. Die Strafen müssten eine abschreckende Wirkung haben.

Bürgermeister warnt vor Hexenjagd

Auch der Landrat des Kreises Tuttlingen, Stefan Bär, ist empört. In einer Ansprache auf der Facebook-Seite des Landkreises sagte er, die Wanderer hätten egoistisch und rücksichtslos gehandelt. "Aus dieser Wanderung sind - Stand heute - bereits 25 positive Fälle hervorgegangen", so Bär. Es sei einer der massivsten Verstöße gegen die Corona-Verordnung bisher. "Es geht nicht mehr nur um Bußgeld, sondern um Straftatbestände, die zu prüfen sind", sagte Bär weiter.

Bürgermeister Kaltenbach warnte jedoch vor einer "Hexenjagd" auf die Beteiligten der Wandergruppe. Ein öffentlicher Pranger dürfe ausdrücklich nicht stattfinden, man müsse die Personen schützen und jedem die Möglichkeit für Einsicht und Reue geben.

Vorfall beschädige Ansehen der Stadt

In einer am Montag im Internet veröffentlichten Erklärung des Mühlheimer Gemeinde- und Ortschaftsrats zu dem Corona-Regelverstoß heißt es, es seien offenkundig auch bewusst falsche und unvollständige Angaben bei der Kontaktnachverfolgung gemacht worden. Die Wanderung sei ein "massiver und vollkommen inakzeptabler Verstoß gegen die Coronaverordnung". Der Vorfall habe dem Ansehen der Stadt und des Landkreises stark geschadet.

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