Wirtschaft leidet unter Auswirkungen des Ukraine-Kriegs

Hohe Energiepreise: welche Lösungen haben Unternehmen im Zollernalbkreis?

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Die hohen Energiepreise belasten auch die Wirtschaft. Die Unternehmen im Zollernalbkreis trifft es besonders hart, weil sie viel produzierendes Gewerbe haben. Wie gehen sie damit um?

Im Zollernalbkreis arbeiten prozentual mehr Unternehmen im produzierenden Gewerbe als beispielsweise in den Kreisen Reutlingen und Tübingen. Und genau diese Unternehmen brauchen besonders viel Energie. Die steigenden Energie- und Rohstoffpreise sehen die Unternehmer laut IHK Reutlingen derzeit als ihr größtes wirtschaftliches Risiko. Erst danach folgt etwa der Fachkräftemangel.

Immer mehr Firmen erzeugen selbst Energie

Um Energie zu sparen, verbessern die Firmen unter anderem Isolierungen und Dichtungen, tauschen alte Motoren aus und Stellen auf LED-Beleuchtung um. Immer mehr Firmen erzeugen auch selbst Energie, beispielsweise über Photovoltaikanlagen. Dennoch könnten die hohen Energiekosten einzelne Unternehmen in der Existenz bedrohen.

Die Produktion des Albstädter Unternehmens Rehfuss Drive Solutions. (Foto: SWR, Julia Klebitz)
Die hohen Energiekosten stellen vor allem das produzierende Gewerbe vor große Herausforderungen. Julia Klebitz

Textilbranche hat extreme Probleme

Im Zollernalbkreis gibt es noch viele Textilveredler und andere Textilunternehmen. Sie brauchen laut Matthias Miklautz, dem Leiter der IHK-Geschäftsstelle für den Zollernalbkreis extrem viel Energie und hätten demnach auch besondere Probleme. Würden die Unternehmen die Kosten an die Kunden weitergeben, wäre zum Beispiel ein T-Shirt plötzlich viel teurer. Stattdessen versuchen die Unternehmen aus teuren Energieverträgen auszusteigen, wenn die günstigeren ausgelaufen sind. Denn die Kosten explodieren gerade. Bei Trigema in Burladingen zum Beispiel habe man 2020 im Schnitt 100.000 Euro Gaskosten im Monat gehabt. 2022 seien es mindestens 500.000 sagt Firmenchef Grupp. Im ein oder anderen Unternehmen gefährden die Energiekosten tatsächlich die Existenz, weiß man bei der IHK.

Albstädter Unternehmen zahlt 30 Prozent mehr für Strom

Von teuren Energieverträgen kann auch Michael Pfister ein Lied singen. Er ist Geschäftsführer von Rehfuss Drive Solutions – einem Unternehmen in Albstadt, das vor allem Getriebe und Getriebemotoren produziert, beispielsweise für die Landwirtschaft, die Industrie oder die Medizin. Für Gas hat die Firma noch einen Festvertrag. Der für den Strom ist aber ausgelaufen. Das Unternehmen kauf Strom wie an der Börse tages- oder stundenaktuell ein. Um fast 30 Prozent seien die Stromkosten für das Unternehmen seitdem gestiegen. Pfister hat eine Energie-Taskforce eingerichtet mit Beschäftigten, die sich um die Energie kümmern. Oberstes Ziel: Möglichst günstig einkaufen oder selbst produzieren. Die Taskforce beschäftigt sich mit Photovoltaik und alternativen Wärmequellen um das Gas zu ersetzen. Untersucht wird aber auch wann welche Maschinen wie am besten arbeiten sollten im Unternehmen.

Gutes Wetter freut Unternehmer

Wenn der Strom gerade günstig ist, laufen die Maschinen auf Hochbetrieb. Aktuell freut sich Geschäftsführer Michael Pfister deshalb sehr über das sommerliche Wetter. Viel Sonne bedeutet nämlich: günstigerer Strom. Wenn die Sonne scheint, speisen die Photovoltaikanlagen auf den Dächern, auch der von Privathäusern, nämlich viel Energie ins Netz ein. Der Preis sinkt dann meist. Dafür bleibt bei Rehfuss Drive Solutions manchmal die Klimaanlage aus. Auch das nämlich spart Energie. Überhaupt seien auch die Mitarbeiter gefordert beim Energiesparen sagt Pfister. Das sieht auch Matthias Miklautz von der IHK so. Neue, sparsamere, Motoren, frische Isolierungen, Zwischenschalter, damit nicht immer jede Maschine laufen muss oder sogar weißgestrichene Wände, damit es in der Firma heller ist – all das hilft nur dann, wenn auch alle mitdenken und -machen.

Unternehmer fordern Senkung der Stromsteuer

Die Unternehmer in der Region und die IHK fordern eine dauerhafte Senkung der Stromsteuer um die Sorgen der Unternehmer zu lindern. Außerdem ist laut Miklautz die Erschließung zusätzlicher Lieferquellen für Öl und Gas und ein beschleunigter Hochlauf des Wasserstoffmarktes wichtig. Und was die erneuerbaren Energien betrifft: Da müsste man schneller über Genehmigungen entscheiden.

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