Verschiedene Flaschen mit Speiseölen (Foto: IMAGO, Alex9500 via www.imago-images.de)

Ukraine-Krieg: Menschen kaufen wieder auf Vorrat

Hamsterkäufe bei Ölmühle in Dußlingen spürbar

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In einigen Supermärkten sind wieder leere Regale zu sehen. Stark nachgefragt sind Mehl, Klopapier und Speiseöl. Das bekommt auch die Ölmühle in Dußlingen (Kreis Tübingen) zu spüren.

Zu Beginn der Corona-Pandemie waren Nudeln, Klopapier oder Mehl in Supermärkten oft ausverkauft. Ein ähnliches Bild bietet sich teilweise auch jetzt vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges. Von Hamsterkäufen sprechen ALDI SÜD und EDEKA auf SWR-Anfrage nicht explizit. Es sei aber mit Engpässen bei Speiseölen zu rechnen, insbesondere bei Sonnenblumenöl. Denn gut die Hälfte des Sonnenblumenöls weltweit kam bislang aus der Ukraine. Regionale Ölproduzenten, wie die Ölmühle in Dußlingen (Kreis Tübingen), spüren die hohe Nachfrage.

Ölmühle Christian Steinhilber in Dußlingen, Kreis Tübingen. Eine Flasche Sonnenblumenöl und eine Flaschen Speise Leinöl vor dem Eingang der Ölmühle. (Foto: SWR, Tobias Rager)
Öl aus Dußlingen ist stark nachgefragt - eine Folge des Kriegs in der Ukraine. Tobias Rager

Der Familienbetrieb in vierter Generation stellt unter anderem ein kaltgepresstes Sonnenblumenöl und Leinöl her. Die Rohstoffe für die eigenen Produkte bezieht der Dußlinger Betrieb regional und aus Europa, nicht aber aus Osteuropa. Dennoch: Der Markt insgesamt sei sehr angespannt, so Juniorchef Christian Steinhilber. Auch die Nachfrage der Supermärkte, die Steinhilber in der Region beliefert, ist gestiegen.

Preise werden steigen

Regionale Mühlen für Mehl und Öl, wie die Ölmühle in Dußlingen, verkaufen nur noch haushaltsübliche Mengen. Aus Gastronomie oder Bäckereien kommen laut Steinhilber ständig Anfragen - auch von viel weiter her als bislang, zuletzt aus Niedersachsen. Die Preise seien bereits gestiegen und würden sicher weiter hochgehen.

Steinhilber rechnet auch damit, dass gerade Sonnenblumenöl für eine gewisse Zeit nicht mehr zu bekommen sein wird. Wer auf andere Speiseöle ausweiche, werde aber immer fündig werden, meint er.

SWR Reporterin Anna Priese berichtet

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Ölmühle muss Online-Shop wegen Andrangs schließen

Auch die Ölmühle Brändle in Empfingen (Kreis Freudenstadt) kann die Wünsche von Handel und Privatkunden derzeit nicht ganz erfüllen. Vertriebsleiter Helmut Spohn erzählt, dass die Firma ihren Online-Shop für einige Tage wegen Überlastung geschlossen hatte. Jetzt gibt es auch hier Öl nur noch in haushaltsüblichen Mengen. "Das Rapsöl stürmen sie jetzt", sagt Spohn. Auch der Handel bestelle deutlich mehr als normal. Während sonst einmal wöchentlich 20 Paletten angefordert wurden, seien es jetzt drei mal wöchentlich 150 Paletten in der Woche.

"In den letzten zwei Wochen dreht alles hohl. Auch der Handel bestellt ohne Ende. Das ist ein Teufelskreis!"

Werden die Kosten weiter steigen?

Christian Böttcher vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels sagt, dass es offen sei, inwiefern steigende Kosten in Folge des Krieges weitergegeben würden. "Ökonomen gehen allerdings davon aus, dass sich die allgemeine Teuerung bei Nahrungsmitteln erst einmal fortsetzt", sagte er. Längerfristige Prognosen seien wegen der Turbulenzen auf den Märkten derzeit nicht möglich.

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