Das Grab, in dem der Hund der Familie Jäger in St. Johann begraben ist. Er starb vermutlich wegen eines Giftköders. (Foto: SWR, Theresa Krampfl)

Zwei Familien betroffen

Giftköder? Zwei Hunde in St. Johann gestorben

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Theresa Krampfl

Im selben Zeitraum und mit ähnlichen Symptomen sind zwei Hunde in Sankt Johann gestorben. Für die behandelnden Tierärzte und die Familien liegt eine Vermutung nahe: Gift.

In der Gemeinde St. Johann (Kreis Reutlingen) trauern gerade zwei Familien um ihre Hunde. Die Familie Kaminski verlor ihre fünf Jahre alte Dogge, die Jägers ihren zwei Jahre alten Dackel.

Die Symptome waren bei beiden Hunden ähnlich: Es ging los mit Appetitlosigkeit, Schlappheit, dann Erbrechen bis hin zu starken Blutungen. Für die Familien ist eine Welt zusammengebrochen. Viel zu früh mussten sie ihre geliebten Tiere gehen lassen.

Heiner Jäger schwelgt in Erinnerungen an seinen Dackel Oswald. Auch Familie Kaminski im Nebenort Bleichstetten bleibt nur die Erinnerung an ihre große Dogge Faro. Sie war 68 Kilo schwer, hatte dunkles Fell. Für Nathalie Kaminski war ihr Hund Faro eher wie ein Fohlen. Er war ihr Ausgleich und half ihr, mit ihrer Erkrankung umzugehen. Sie leidet an Multipler Sklerose.

"Vor ein paar Jahren hatte ich mehrere Schübe der MS in einem Jahr. Es fiel mir schwer, noch Lebensmut zu haben. Dann haben wir Faro geholt. Er wurde immer größer und wollte weiter laufen, dadurch wurde ich immer fitter."

Nathalie und Marie Kaminski halten die Urne und ein Foto ihres vermutlich vergifteten Hundes in St. Johann. (Foto: SWR, Theresa Krampfl)
Nathalie und Marie Kaminski halten die Urne und ein Foto ihres vermutlich vergifteten Hundes. Theresa Krampfl

Doch nun sind Oswald und Faro tot. Der Verdacht Gift stand von Anfang an im Raum, denn beide Familien gingen regelmäßig mit ihren Hunden auf den Feldern bei St. Johann spazieren. Ihre Routen überschnitten sich. Am selben Februar-Wochenende müssen die Hunde also irgendwas vom Feld gefressen haben.

Aufgefallen ist es den Familien allerdings erst, als die Symptome begannen - und das ist in den meisten Fällen dann auch schon zu spät, erklärt der Reutlinger Tierarzt Uwe Wagner, der elf Tage lang versucht hat, Faro zu retten.

"Der Tod von Faro ging sowohl mir als auch dem ganzen Praxisteam sehr nah. Wir haben alles versucht."

Wagner sagt, ihm komme es so vor, als würden solche Vorfälle häufiger werden. Zumindest behandelt er zunehmend öfter vergiftete Tiere. Und das sei in den meisten Fällen schon zu spät.

Helfen könne er den Tieren eigentlich nur direkt nach der Einnahme von Gift. Dann könnte er den Tieren eine Spritze verabreichen, durch die sie erbrechen müssten. Auch deshalb setzt sich Wagner beim "Bund gegen Missbrauch der Tiere" ein und will aufklären.

Der Reutlinger Tierarzt Uwe Wagner steht in seiner Praxis vor einem Behandlungstisch. (Foto: SWR, Theresa Krampfl)
Tierarzt Uwe Wagner steht in seiner Praxis vor einem Behandlungstisch. Theresa Krampfl

Wurst gefunden, doch noch fehlen Beweise

Die betroffenen Familien haben Anzeige bei der Polizei erstattet. Auch für die Statistik ist das wichtig. Doch die Polizei kann nicht bestätigen, dass es sich um Gift handelte, denn es fehlen die Beweise. "Unabhängig davon nehmen wir alle Hinweise ernst, weshalb wir Zeugen und Besitzer auch bitten, solche Wahrnehmungen der Polizei zu melden.

Nur so können wir Zusammenhänge erkennen und die Fälle verifizieren", so ein Sprecher des Reutlinger Polizeipräsidiums. Ende Februar wurde eine verdächtige Wurst bei der Polizei abgegeben, die eine Spaziergängerin in St. Johann auf dem Feld gefunden hat. Die Untersuchung auf Gift steht noch aus.

Interessengemeinschaft gegründet

Neben dem St. Johanner Bürgermeister Florian Bauer setzen sich viele andere Menschen aus dem Ort dafür ein, dass Gifttode nicht nochmal passieren. Heiner Jäger hat eine Interessengemeinschaft gegründet, die sich über Facebook organisiert. Sie bekommt Zuwachs und will Hinweise sammeln.

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