Krähenintelligenz (Foto: Pressestelle, Universität Tübingen)

Forscher experimentiert mit Tieren aus dem Vogelschutzzentrum

Offenbar keine echte Genehmigung für Krähenversuche in Tübingen

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Ein Forscher der Uni Tübingen hat mit Krähenvögeln experimentiert und das möglicherweise ohne ausreichende Genehmigung. Die Tiere stammen - ausgerechnet - aus dem Vogelschutzzentrum Mössingen.

Für seine Arbeit bohrt der Neurobiologe Professor Andreas Nieder den Krähen Löcher in den Kopf und misst dann am offenen Gehirn die Hirnströme. Ende April wurde bekannt, dass er dafür auch Krähen verwendet hat, die aus dem Vogelschutzzentrum des Naturschutzbundes NABU in Mössingen stammen. Für Tierschützer ein Skandal, zumal es Anzeichen gab, dass es für diese Versuche mit Wildtieren gar keine Genehmigung gab. Das scheint sich jetzt zu bestätigen.

Entsetzen im Vogelschutzzentrum

Daniel Schmidt-Rothmund, der Leiter des NABU-Vogelschutzzentrums in Mössingen bei Tübingen ist entsetzt – und niedergeschlagen. Dass seine Krähen offenbar als Versuchstiere herhalten mussten, das hat ihm der zuständige Professor zwar noch immer nicht bestätigt, scheint aber inzwischen klar. Schmidt-Rothmund ging davon aus, dass der Wissenschaftler die Vögel zur Zucht einsetzt oder um ihr Verhalten zu beobachten.

Soko Tierschutz hat Anzeige erstattet

Das Vogelschutzzentrum päppelt eigentlich verletzte Tiere auf. Zwischen 2011 und 2015 hat der NABU jedoch nach eigenen Angaben acht tote und sieben lebende Rabenkrähen an den Forscher der Uni Tübingen abgegeben. Die Kritik, die der NABU für diese Aktion jetzt geerntet hat, ist aber nur die eine Seite der Medaille. Der Tierschutzorganisation SOKO Tierschutz, die die Recherchen zu den Mössinger Krähen gestartet hat, geht es um weit mehr als einen kurzen Aufreger. Sie hat den Tübinger Forscher inzwischen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz angezeigt. Die SOKO ist überzeugt: Es fehlten die notwendigen Ausnahmegenehmigungen für diese Wildtierversuche.

Ungereimtheiten bei Genehmigung

Die Universität Tübingen und der zuständige Forscher widersprechen: die Versuche seien genehmigt gewesen, vom zuständigen Regierungspräsidium Tübingen. Die Behörde bestätigte das dem SWR. Bei konkreterer Nachfrage ergaben sich jedoch Ungereimtheiten. Es hieß, das Regierungspräsidium habe zwar gewusst, dass die Krähen für die Versuche genutzt werden sollten – explizit genehmigt hatte es das jedoch nicht.

Der Vorsitzende der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht, Christoph Maisack, sieht in dem Vorgehen einen klaren Verstoß, der aus seiner Sicht zur Folge haben müsste, dass der Tübinger Forscher künftig keine Genehmigungen mehr für Tierversuche erhält.

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